Fifa-Chef-Wahl England protestiert gegen Einspruchsverfahren

Es ist eine eigentümliche Entscheidung mit Folgen: Weil Fifa-Funktionär Mohamed bin Hammam erst nach Eingang der schriftlichen Begründung seiner Suspendierung dagegen Einspruch erheben darf, würde sein Protest folgenlos bleiben. Dagegen protestiert jetzt Englands Fußballverband.
In Bedrängnis: Fifa-Präsident Sepp Blatter

In Bedrängnis: Fifa-Präsident Sepp Blatter

Foto: Julian Finney/ Getty Images

Zürich - England will nicht mehr mitmachen: Der Englische Fußballverband (FA) hat eine Verlegung der für Mittwoch geplanten Wahl des FIFA-Präsidenten gefordert. FA-Präsident David Bernstein erklärte am Dienstag, damit solle die Glaubwürdigkeit des Wahlprozesses gewahrt bleiben und einem möglichen Gegenkandidaten die Chance zur Kandidatur zur geben.

Zuvor hatte der Weltfußballverband Fifa mitgeteilt, über den Einspruch von Spitzenfunktionär Mohamed bin Hammam gegen dessen vorläufige Suspendierung voraussichtlich nicht vor Mittwoch zu entscheiden. Bin Hammam müsse die komplette rechtliche Begründung für diesen Schritt abwarten, bevor er dagegen Einspruch erheben könne, erklärte die Fifa am Dienstag.

Durch dieses Prozedere aber hätte sich der amtierende Fifa-Chef Sepp Blatter auf eigentümliche Weise seine eigene Wiederwahl gesichert. Denn nach der Suspendierung von Mohamed bin Hammam wegen des Verdachts der Bestechung wäre der amtierende Präsident Joseph Blatter der einzige Kandidat. Auch die Asiatische Fußball-Konföderation (AFC) hatte deshalb bereits gefordert, dass über den Einspruch am Dienstag entschieden werden solle - 48 Stunden nach dessen Suspendierung wegen des Verdachts der Bestechung. Doch die Fifa blieb stur.

Aus Frust über die Vorgänge bei der Fifa haben einige asiatische Delegierte daraufhin den Fifa-Wahlkongress in Zürich verlassen, um gegen die Suspendierung des ursprünglichen Präsidentschaftskandidaten Mohammed Bin Hammam zu protestieren. Ein Mitglied der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) bestätigte, dass "neun oder zehn" der 46 Verbände ihre Vertreter abgezogen haben. Der Grund sei "die tiefe Empörung über das FIFA-Ethik-Komitee", das seine Kompetenzen "eindeutig überschritten" habe.

Der Katarer Bin Hammam wollte bei der Präsidentschaftswahl am Mittwoch eigentlich gegen den Schweizer Amtsinhaber Joseph S. Blatter antreten, zog seine Kandidatur aber zurück, nachdem bekannt geworden war, dass das Ethik-Komitee der Fifa wegen Korruptionsvorwürfen gegen ihn ermittelt. Das Komitee suspendierte Bin Hammam und CONCACAF-Chef Jack Warner, sprach Blatter aber frei.

kst/dapd/rtr
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