IWF-Chefvolkswirt Griechenland braucht zehn Jahre

Der IWF sieht für Griechenland keine schnelle Lösung. Man müsse von einer zehn Jahre dauernden Anpassung ausgehen, sagt Chefvolkswirt Olivier Blanchard. Einer Umschuldung steht er skeptisch gegenüber.
Blick auf den Hafen von Piräus: Laut IWF wird die griechische Genesung sehr lange dauern

Blick auf den Hafen von Piräus: Laut IWF wird die griechische Genesung sehr lange dauern

Foto: Thanassis Stavrakis/ AP

Rio de Janeiro - Die wegen der Schuldenkrise eingeleiteten Reformen in Griechenland werden dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge erst in Jahren ihre Wirkung entfalten. "Man muss bei der griechischen Neuausrichtung von einer zehnjährigen Anpassung ausgehen", sagte Chefvolkswirt Olivier Blanchard. "Ich wäre überrascht, wenn wir während dieser zehn Jahre sicher sein könnten, dass dies auch wirkt."

Griechenland könne noch immer einen Schuldenschnitt vermeiden. "Der Gedanke, dass eine Umschuldung eine Art Zauberformel sein könnte, ist nicht richtig", sagte der Chefvolkswirt. "Eine Umschuldung birgt immer auch das Risiko einer Ansteckung."

Auch andernorts wird die mögliche Umschuldung Griechenlands skeptisch gesehen. Die Bundesbank etwa bekräftigte gerade ihre Ablehnung einer "weichen Umschuldung" durch die Verlängerung der Laufzeiten griechischer Anleihen. Das sei eine zentrale Frage der Geldpolitik, sagte der neue Bundesbankpräsident Jens Weidmann laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)". "Grundsätzlich dürfen die Folgen finanzpolitischer Fehler nicht auf die Notenbanken abgewälzt werden", forderte Weidmann.

Eine weiche Umschuldung, wie sie unter anderem vom luxemburgischen Finanzminister und Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker ins Spiel gebracht wurde, ist laut Weidmann das falsche Signal. Dies würde das Vertrauen in solide Staatsfinanzen in der Währungsunion untergraben. Außerdem könnte eine weiche Umschuldung dazu führen, dass auch die Banken in anderen Euro-Ländern in Schwierigkeiten geraten.

Die Bundesbank spreche sich allerdings nicht grundsätzlich gegen eine Umschuldung und schon gar nicht gegen eine Beteiligung der privaten Gläubiger aus, sagte Weidmann weiter. Eine Umschuldung werde es geben, sofern ein Land sich entscheiden sollte, seine Schulden nicht mehr zu bedienen, oder sich weigert, ein vereinbartes Anpassungsprogramm umzusetzen.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnt vor den Folgen einer Umschuldung Griechenlands. Manchen Experteneinschätzungen zufolge könnten die Auswirkungen katastrophaler sein als der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, sagte Schäuble dem "Handelsblatt".

cr/rtr/dpa-afx
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