Mittwoch, 29. Januar 2020

Darminfektionen Spanische Salatgurken als Ehec-Träger identifiziert

Gefährliches Gemüse: Mediziner warnen vor dem Verzehr von Salat, Gurken und Tomaten

Gesundheitsexperten haben eine erste Infektionsquelle für den gefährlichen Durchfallerreger Ehec nachgewiesen. Demnach sind spanische Salatgurken als Träger des Erregers identifiziert worden.  

Hamburg - Am Hamburger Hygieneinstitut sei das Bakterium an vier Salatgurken gefunden worden, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Donnerstag mit. Drei der Gurken stammten aus Spanien, von der vierten sei die Herkunft vorerst noch unklar. Alle entsprechenden Produkte würden aus dem Warensortiment genommen, sagte die Senatorin.

Die Gemüsehändler in Deutschland befürchten inzwischen massive Einnahmeausfälle wegen des Ehec-Erregers. "Die Auswirkungen sind katastrophal", sagte Andreas Brügger, Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbandes (DFHV). Bereits jetzt würden Lebensmittelketten und Kantinen pauschal Ware zurückweisen. "Das ist für unsere Unternehmen ein Totalausfall".

Das Robert-Koch-Instituts (RKI) hatte am Mittwochabend vor dem Verzehr von Salatgurken, Blattsalaten und rohen Tomaten insbesondere aus Norddeutschland gewarnt. Eine epidemiologische Studie in Hamburg habe gezeigt, dass Ehec-Erkrankte diese Gemüse deutlich häufiger verzehrt hätten als gesunde Vergleichspersonen, teilte das RKI zusammen mit dem Institut für Risikobewertung mit. Es steht den Angaben zufolge noch nicht fest, ob nur eines oder mehrere dieser drei Lebensmittel mit der Erkrankungswelle zusammenhängen.

Die RKI-Warnung hält Brügger für falsch. Es sei "praktisch ausgeschlossen", dass bei Tomaten, Salat oder Gurken die Ursache liege. Dieses Gemüse komme momentan aus dem Treibhaus und "da fährt keiner mit dem Güllewagen durch". Der DFHV vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von Unternehmen aus allen Handelsbereichen des Obst- und Gemüsesektors.

Gemüsebetriebe werden überprüft

Seit heute läuft eine Überprüfung von Gemüsebaubetrieben, dadurch wurde der Erreger auch an den spanischen Salatgurken gefunden. Wie das Landwirtschaftsministerium in Hannover erklärte, seien ein Schwerpunkt der Kontrollen Gemüsebetriebe im Großraum Hamburg. Grund sei, dass es in Hamburg eine auffällige Häufung von Ehec-Fällen gegeben habe. Möglicherweise hätten die Betroffenen im Verdacht stehendes Gemüse verzehrt, das aus Betrieben im Umland stammen könne. Aber auch andere Betriebe in Niedersachsen, bei denen ein Verdacht zu erkrankten Patienten erkennbar sei, sollen untersucht werden. Die zuständige Lebensmittelkontrolle ist angewiesen worden, Proben zu nehmen.

Niedersachsen als Agrarland Nummer eins ist von der Warnung besonders betroffen. Wie eine Sprecherin des Landesbauernverbandes in Hannover erklärte, laufe die Gemüsesaison in Niedersachsen gerade erst an. Es seien allenfalls erste Tomaten und Salate aus dem Anbau in Gewächshäusern in den Handel gekommen.

Derzeit erlebe Deutschland den stärksten je registrierten Ehec-Ausbruch, sagte RKI-Chef Reinhard Burger. Beim aktuellen Krankheitsausbruch sind zwei Frauen nachweislich an einer Ehec-Erkrankung gestorben. Die Zahl der Patienten, die sich mit Ehec infiziert haben, nimmt rasch zu. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sind deutschlandweit mehr als 600 Fälle registriert, von denen aber noch nicht alle bestätigt sind.

cr/dpa-afx

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