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Nachfolgedebatte: Kandidaten für IWF-Chefposten

Foto: Emmanuel Dunand/ AP

Währungsfonds Mexiko schickt Kandidaten ins IWF-Rennen

Die Kritik aus Schwellenländern gegenüber der Routine, den IWF-Chefsessel mit einem Europäer zu besetzen, wird immer lauter. Als aussichtsreichste Kandidatin gilt zwar die französische Finanzministerin Christine Lagarde - nun bekommt sie jedoch ernsthafte Konkurrenz aus Mexiko.

Mexiko-Stadt - Mexiko will seinen Zentralbank-Chef Agustin Carstens ins Rennen um den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) schicken. Das mexikanische Finanzministerium teilte am Sonntag mit, dass Carstens offiziell als Kandidat für die Position vorschlagen werden solle. Carstens habe die nötigen Fähigkeiten und Qualifikationen, um den Fonds führen zu können.

Finanzminister Ernesto Cordero hatte erst am Donnerstag erklärt, Carstens wäre der beste Kandidat für die Nachfolge des wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn. Carstens war bereits drei Jahre stellvertretender IWF-Chef, bevor er 2006 Finanzminister wurde. Seit Januar 2010 leitet er die mexikanische Notenbank.

Nach dem Rücktritt des Franzosen Strauss-Kahn rütteln führende Schwellenländer wie China und Brasilien an dem traditionellen Anspruch Europas auf den IWF-Chefposten. Auch die mexikanische Regierung hatte öffentlich gefordert, dass die Nationalität bei der Berufung des neuen IWF-Chefs nicht die Hauptrolle spielen sollte. Als Favoritin der Europäer kristallisiert sich zunehmend die französische Finanzministerin Christine Lagarde heraus.

Die Europäische Union (EU) erhält indes derzeit mehr als 60 Prozent aller vom IWF vergebenen Kredite oder Kreditzusagen. Die Zusagen des IWF an alle EU-Krisenstaaten addierten sich auf 92,4 Milliarden Euro, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Außerdem bekomme Polen eine flexible Kreditlinie von 21 Milliarden Euro, die das Land bislang nicht beansprucht habe. Den vorerst letzten Kredit für einen EU-Staat beschloss der Währungsfonds Ende vergangener Woche für Portugal - insgesamt rund 26 Milliarden Euro.

Mexiko hält dem Bericht zufolge mit rund 50 Milliarden Euro die größte IWF-Zusage. Auf den Plätzen 2 bis 5 und auf dem siebten Rang finden sich die EU-Staaten Griechenland, Portugal, Irland, Polen und Rumänien.

cr/rtr/dpa
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