Mittwoch, 27. Mai 2020

Globalisierung China will zur Ideenschmiede werden

Windanlagenbau in China: Vielfach Fertigung statt Forschung
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Windanlagenbau in China: Vielfach Fertigung statt Forschung

Es ist ein Wandel mit Ansage: China versucht, nicht länger nur die billige Fertigungsstätte für Waren ausländischer Hightech-Schmieden zu stellen. Die Führungsriege will China an die Spitze der globalen Wissenschafts- und Patentrangliste hieven. Der Westen allerdings hält dagegen - noch. 

Hamburg - Die Volksrepublik China verdankt ihr rasantes wirtschaftliches Wachstum von rund 10 Prozent jährlich während des vergangenen Jahrzehnts vor allem ihrer Rolle als Werkbank der Welt, mit vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten. Nun will die politische Führung das Land vom Produktionsstandort zum globalen Innovationsführer umwandeln.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurden die Ausgaben für Forschung- und Entwicklungsaktivitäten in China seit 2000 mit einem jährlichen Zuwachs von 23 Prozent deutlich stärker gesteigert als die Wirtschaftskraft gewachsen ist. Mittlerweile investiert China bereits 2 Prozent seines Bruttosozialprodukts in Forschung- und Entwicklung und ist damit nur noch geringfügig unter dem Mittelwert der OECD-Staaten. Länder wie Frankreich oder Großbritannien investieren einen geringeren Anteil ihres Bruttosozialproduktes in Forschung- und Entwicklung. Deutschland liegt mit 2,7 Prozent (2009) jedoch noch deutlich vor China.

Zusätzlich zur globalen Erhöhung der Forschungs- und Entwicklungsausgaben versucht Chinas Führung konsequent, die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen und insbesondere patentierter Erfindungen zu erhöhen. Die Aufstiegschancen von Wissenschaftlern und Professoren etwa sind konsequenter als im deutschen Hochschulsystem an Publikations- und Patentierungserfolge geknüpft. Unternehmen erhalten Subventionen und Steuererleichterungen in Abhängigkeit der Zahl angemeldeter Patente. Häufig wird dies in den betrieblichen Anreizsystemen berücksichtigt und für eingereichte Patentschriften hohe Boni gewährt. Laut Economist bezahlt Huawei, ein Produzent von Telekommunikationsausrüstung, patentbezogene Boni zwischen 10.000 und 100.000 Yuan, das sind umgerechnet rund 1000 bis 10.000 Euro. Und das hat offenbar Erfolg.

Zum einen hat China bei der Zahl der in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publizierten Veröffentlichungen, einem Kernindikator wissenschaftlicher Leistung, mittlerweile Deutschland, Großbritannien oder Japan deutlich überholt. In der internationalen Rangliste der britischen Royal Society hat es nach den USA bereits den zweiten Rang besetzt. Tendenz: weiter steigend.

Masse noch kein Qualitätsbeweis

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich auch bei der Betrachtung der Zahl der Patentanmeldungen. Nur in den USA und in Japan werden derzeit mehr Patente angemeldet als in China. Eine jüngst veröffentlichte Reuters-Studie geht davon aus, dass in ein bis zwei Jahren in China mehr Patente angemeldet werden als irgendwo sonst auf der Welt.

Bei der Interpretation dieser Zahlen ist trotz allem Zurückhaltung angebracht. Während die quantitative Steigerung beim wissenschaftlichen und erfinderischen Output Chinas unbestritten ist, zeigt sich bei genauer Betrachtung, dass die traditionellen Innovationsführer derzeit (noch) Qualitätsführer sind.

Zum einen haben wissenschaftliche Veröffentlichungen chinesischer Autoren deutlich geringeren Widerhall im jeweiligen Forschungsfeld, gemessen an der Zahl der Zitierungen, die eine Publikation erhält, als Veröffentlichungen von Autoren aus anderen Staaten. In der weltweiten wissenschaftlichen Zitaterangliste belegt China lediglich Rang 11.

Zum anderen ist der starke Anstieg von Patentanmeldungen in China vor allem durch chinesische Anmelder getrieben, die auf die gesetzten Anreize mit erhöhter Patentierungsneigung reagieren. Eine vergleichsweise hohe Zahl chinesischer Patentanmeldungen ist daher von minderer Qualität - lediglich 40 Prozent der Anmeldungen führen nach Prüfung zu einem gewährten Patent.

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