Preisstabilität EZB zögert mit nächstem Zinsschritt

Trotz weiter steigender Preise lässt die Europäische Zentralbank den Leitzins unangetastet, eine Erhöhung steht Experten zufolge wohl erst wieder im Juli an. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet setzt mit seinen Äußerungen den Euro und die Börsen unter Druck. Anleihen dagegen verzeichnen deutliche Kursgewinne.
Weitblick: EZB-Präsident Trichet und Kollegen lassen den Leitzins noch unverändert

Weitblick: EZB-Präsident Trichet und Kollegen lassen den Leitzins noch unverändert

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Der Zins bleibe bei 1,25 Prozent, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Helsinki mit. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet betonte jedoch, die europäische Notenbank werde die Preisentwicklung in der Euro-Zone weiterhin "sehr eng" kontrollieren. "Unsere Einschätzung ist, dass die Risiken für die Preisstabilität aufwärts gerichtet bleiben", sagte Trichet.

Trichet vermied konkrete Hinweise auf eine weitere Zinserhöhung bereits im Juni. Die Signalformulierung "hohe Wachsamkeit" findet sich in der Erklärung des EZB-Rats nicht.

Im April sei die Inflation im Euro-Raum auf 2,8 Prozent nach oben gegangen, nach 2,7 Prozent im März, so Trichet weiter. "Es ist wichtig, dass die Inflation nicht zu Zweitrundeneffekten führt", sagte der EZB-Präsident. Diese bezeichnen die Kettenreaktion, wenn stark steigende Löhne in Zeiten anziehender Preise die Inflation weiter befeuern.

Ziel der Währungshüter ist es, die Teuerungsrate mittelfristig knapp unter 2 Prozent zu halten. Der neuerliche Anstieg rühre vor allem von hohen Rohstoff- und Energiepreisen, sagte Trichet. Das war bereits in den vergangenen Monaten der Fall gewesen. In Deutschland hatten die Spritpreise in der vergangenen Woche ein neues Allzeithoch erreicht.

Nächster Zinsschritt wohl im Juli

Aufgrund der steigenden Teuerungsrate hatte die EZB zuletzt im April den Leitzins für die Euro-Zone um 25 Basispunkte angehoben. Das sei "notwendig" gewesen, sagte Trichet am Donnerstag noch einmal. Seit Mai 2009 hatte der Leitzins zuvor auf einem historischen Tiefstand von einem Prozent verharrt. Beobachter gehen von einer oder mehreren weiteren Leitzins-Erhöhungen im Laufe dieses Jahres aus.

Erstmals nahm an der Sitzung des EZB-Rats auch der neue Bundesbank-Präsident Jens Weidmann teil. Die Ratsmitglieder hätten ihn in ihrer Runde "sehr herzlich willkommen geheißen", sagte Trichet. Weidmann hatte am Montag offiziell seine Arbeit als Chef der deutschen Notenbank aufgenommen.

Die abwartende Haltung der EZB schickte den Euro  auf Talfahrt, der nach den Äußerungen Trichets zeitweilig um deutlich mehr als einen Cent unter die Marke von 1,47 Dollar nachgab. Der Goldpreis legte hingegen zu.

Zu starken Kursgewinnen kam es auch am Markt für deutsche Staatsanleihen. Der richtungweisende Euro-Bund-Future stieg nach den Äußerungen um 0,25 Prozent auf 122,79 Punkte. Vor den Daten hatte der Future noch klar im Minus bei 122,07 Punkten notiert. Der Aktienmarkt dagegen reagiert nicht erfreut auf die Äußerungen der EZB.

Laut Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) wird die EZB ihren Straffungskurs erst im Juli fortsetzen. Die Aussagen von EZB-Präsident Trichet deuteten nicht auf eine Erhöhung bereits im Juni hin, heißt es in einer Studie vom Donnerstag. "Wir sehen uns in unserer Prognose bestätigt, dass die EZB auf ihrer Juli-Ratssitzung den Haupt-Refinanzierungssatz um 0,25 Punkte auf 1,5 Prozent erhöhen wird."

So sieht es auch Andreas Rees von der Unicredit. "Alles spricht dafür, dass wir die nächste Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Juli bekommen werden", sagt er. "Die EZB bleibt wohl bei ihrem Drei-Monatsrhythmus bei den Zinserhöhungen. Sonst hat Trichet nicht viel Neues gesagt."

cr/afp/rtr/dpa-afx
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