Terrornetzwerk al-Kaida US-Spezialeinheit tötet Osama bin Laden

Osama bin Laden, der meistgesuchte Terrorist der Welt, ist tot. Fast zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 haben US-Spezialkräfte auf Befehl von Präsident Barack Obama den Chef des Terrornetzwerks al-Kaida in Pakistan getötet. Bin Laden soll bereits auf See bestattet worden sein.
Al-Kaida-Chef bin Laden: Der Terrorist gilt als Drahtzieher der Angriffe auf das World Trade Center

Al-Kaida-Chef bin Laden: Der Terrorist gilt als Drahtzieher der Angriffe auf das World Trade Center

Foto: REUTERS

Washington - Osama bin Laden, der Drahtzieher der Angriffe auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington mit fast 3000 Toten, sei am Sonntag bei einer Kommandoaktion in Pakistan ums Leben gekommen, teilte US-Präsident Barack Obama mit. "Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan."

Obama sagte, er habe den geheimen Einsatz der Spezialkräfte angeordnet. "Ein kleines Team von Amerikanern hat die Operation mit außergewöhnlichem Mut und Fähigkeiten ausgeführt", sagte Obama. Bin Laden sei auf einem Gelände in der pakistanische Stadt Abbottabad nach einem Schusswechsel getötet worden, anschließend hätten die US-Kräfte die Leiche des al-Kaida-Chefs an sich genommen.

"Kein Amerikaner ist zu Schaden gekommen", sagte Obama. Die Kommadoeinheit habe sich bemüht, zivile Opfer zu vermeiden. Erste Hinweise auf den Aufenthaltsort des al-Kaida-Chefs habe es im vergangenen August gegeben, erklärte Obama.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang habe bin Laden "Angriffe gegen unser Land und unsere Freunde und Verbündeten" geplant, sagt Obama. "Der Tod bin Ladens markiert die bislang bedeutenste Errungenschaft in den Bemühungen unserer Nation, al-Kaida zu besiegen. Sein Tod markiert aber nicht das Ende unserer Bemühungen." Der Präsident warnte, dass al-Kaida weitere Angriffe vorbereiten werde. Daran gebe es "keinen Zweifel", sagte Obama. "Wir müssen und wir werden zu Hause und im Ausland wachsam bleiben."

Bin Laden verschanzte sich hinter hohen Mauern und Stacheldraht

Nach Angaben aus Regierungskreisen in Washington landete eine "kleine Einheit" in der Nacht zum Sonntag mit zwei Hubschraubern auf einem abgeschirmten Anwesen in Abbottabad, rund 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad. Etwa 40 Minuten dauerte die riskante Kommandoaktion, bei der der meistgesuchte Terrorist der Welt getötet wurde. Der TV-Sender CNN berichtete, dass bin Laden durch einen Kopfschuss gestorben sei.

Der Gründer und Chef des Terrornetzwerks al-Kaida versteckte sich nicht wie oft vermutet in einer Höhle im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet vor den USA, die bin Laden seit den Anschlägen vom 11. September 2001 weltweit jagten. Er verschanzte sich nach US-Angaben hinter hohen Mauern und Stacheldraht in einer herrschaftlichen Residenz. Der Komplex sei vor fünf Jahren errichtet worden. Im Spätsommer 2010 habe es erste Hinweise darauf gegeben, dass sich bin Laden hier aufhalten könnte. Auf die Spur kamen die US-Geheimdienste dem al-Kaida-Chef demnach über einen Boten, den sie bereits seit einiger Zeit überwachten.

Bei der Kommandoaktion wurden neben bin Laden drei weitere Männer und eine Frau getötet. Bei den Männern habe es sich offenbar um einen Sohn bin Ladens sowie zwei Boten gehandelt. Die Frau sei erschossen worden, als einer der Männer hinter ihr in Deckung gegangen sei. Außerdem seien zwei weitere Frauen verletzt worden. "Das war ein besonders gefährlicher Einsatz", sagte ein ranghoher US-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Mehrere Frauen und Kinder hätten sich zum Zeitpunkt des Zugriffs in dem Anwesen befunden.

Die US-Spezialkräfte blieben unverletzt. Allerdings sei einer der beiden Helikopter wegen einer "mechanischen Panne" ausgefallen und deshalb zerstört worden, hieß es. Beim Rückzug habe die gesamte Einheit mit dem verbleibenden Hubschrauber ausgeflogen werden müssen - samt der Leiche bin Ladens, die durch einen DNA-Test identifiziert wurde. Die US-Regierung gab zunächst nicht bekannt, welche Spezialkräfte genau den Einsatz ausführten. Der TV-Sender ABC berichtete allerdings, es habe sich um rund 25 Soldaten der Eliteinheit Navy Seals gehandelt.

Bin Laden wurde bereits auf See bestattet

Die Leiche von bin Laden ist laut US-Fernsehberichten bereits im Meer beigesetzt worden. Die Leiche sei im Einklang mit den muslimischen Traditionen im Meer bestattet worden, berichteten die TV-Sender CNN und MSNBC. US-Regierungsvertreter waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Zuvor hatte ein ranghoher US-Regierungsvertreter gesagt, die USA würden dafür Sorge tragen, dass bin Ladens Leiche "im Einklang mit den muslimischen Praktiken und Traditionen behandelt" werde. "Das ist etwas, das wir sehr ernst nehmen."

Nach den Vorschriften des Islam muss die Leiche eines Muslims von männlichen Glaubensbrüdern gewaschen und möglichst innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod bestattet werden. Für gewöhnlich wird der Leichnam in ein weißes Tuch gehüllt, auch bei einer Seebestattung.

Bin Laden wurde als Sohn eines reichen saudiarabischen Bauunternehmers vermutlich im Jahr 1957 geboren. Er entwickelte die Idee, Muslime aus aller Welt zu einem Kampf gegen westliche Mächte und ihre arabischen Verbündeten zusammenzurufen. In Afghanistan kommandierte er 1984 gegen die Rote Armee mehr als 20.000 Kämpfer aus vielen arabischen Ländern. Ein Jahr vor Ende der sowjetischen Invasion in Afghanistan 1989 begann bin Laden mithilfe von Gefolgsleuten mit dem Aufbau des Netzwerks "al-Kaida" ("Das Fundament"). Als 1991 eine internationale Koalition unter Führung der USA den Krieg gegen Irak führte, erklärte er Washington den "Dschihad", den religiös motivierten Krieg.

Bin Laden wird für mehrere Anschläge verantwortlich gemacht

Die USA machen bin Laden auch für weitere Anschläge vor dem 11. September 2001 verantwortlich, darunter die Attentate auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1996, bei denen mehr als 200 Menschen starben, und der Angriff auf den US-Zerstörer "Cole" im November 2000 im jemenitischen Aden mit 17 Toten.

Vor dem Weißen Haus in Washington feierten tausende Menschen bin Ladens Tod. Die euphorische Menge skandierte "USA, USA", auch die US-Nationalhymne wurde angestimmt. Einige Menschen schwenkten US-Flaggen. Auch auf dem Times Square in New York versammelten sich Bewohner der Stadt und Touristen, um das Ereignis zu feiern. Hunderte Menschen zogen zum Ground Zero, an dem einst das World Trade Center gestanden hatte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte erleichtert auf den Tod bin Ladens, wie Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin sagte. Dem US-Militär sei ein entscheidender Schlag gegen al-Kaida gelungen. Besiegt sei der internationale Terrorismus damit aber noch nicht. "Wir alle werden wachsam bleiben müssen."

Der frühere US-Präsident George W. Bush, der nach dem 11. September 2001 den Krieg gegen den Terror und die Jagd auf bin Laden ausgerufen hatten, sprach von einem "Sieg für Amerika". Das Außenministerium in Washington warnte unterdessen US-Bürger in aller Welt vor anti-amerikanischer Gewalt. Das Ministerium riet dringend dazu, in unsicheren Gegenden Aufenthalte außerhalb von Häusern und Hotels auf das Nötigste zu beschränken sowie sich von Menschenansammlungen und Demonstrationen fern zu halten. Die Warnung werde zunächst bis zum 1. August gelten, hieß es.

mg/afp

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