Inflation und Arbeitslosigkeit steigen Spanien schlittert tiefer in die Krise

Spanien findet keinen Weg aus der Wirtschaftskrise. Der defizitgeplagte Euro-Staat verzeichnet weiter wachsende Arbeitslosenzahlen. Zudem sinken die Umsätze des Einzelhandels, die Inflation steigt. Die Regierung versucht verzweifelt gegenzusteuern.
Warten auf einen Job: Die Krise am Hausmarkt ließ die spanische Wirtschaft abstürzen

Warten auf einen Job: Die Krise am Hausmarkt ließ die spanische Wirtschaft abstürzen

Foto: PHILIPPE DESMAZES/ AFP

Madrid - Das defizitgeplagte Spanien schlittert immer tiefer in die Wirtschaftskrise. Die Zahl der Arbeitslosen hat den höchsten Stand seit Beginn vergleichbarer Erhebungen im Jahr 1976 erreicht. Im ersten Quartal 2011 waren rund 4,9 Millionen Menschen ohne Job, etwa 210.000 mehr als im Quartal davor, berichtete das Nationale Statistik-Institut (INE) am Freitag in Madrid.

Die Arbeitslosenquote kletterte um fast einen Punkt auf knapp 21,3 Prozent. Es ist die höchste in Westeuropa. Die Statistiker zählten zudem fast 1,4 Millionen Haushalte, in denen alle Erwerbsfähigen ohne Job sind. Das Land leidet unter einem hohen Haushaltsdefizit und kämpft mit den Folgen der schwersten Wirtschaftskrise in Jahrzehnten.

Zudem hat die Teuerung im April angezogen. Die jährliche Inflationsrate (HVPI) sei von 3,3 Prozent im Vormonat auf 3,5 Prozent gestiegen, teilte die spanische Statistikbehörde (INE) am Freitag in Madrid auf Basis vorläufiger Daten mit. Gleichzeitig waren zuletzt die Umsätze im Einzelhandel um 8,6 Prozent eingebrochen - den neunten Monat in Folge.

Mickriges Wachstum erwartet

Der Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) wird für europäische Vergleichszwecke erhoben und ist entscheidend für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die spanische Rate liegt deutlich über dem Zielwert der EZB für den gesamten Euroraum von knapp 2 Prozent.

Spanien erwartet für 2011 nur ein mageres Wachstum von 1,3 Prozent, und die Bank von Spanien hält sogar diese Zahl für zu optimistisch. Der spanischen Regierung bleibt nun wenig anderes übrig, als das Sparprogramm weiter zu verschärfen, um Investoren bei Laune zu halten. Nachdem Griechenland, Irland und Portugal bereits um Finanzhilfe von der EU gebeten haben, beteuert Spanien, es könne sich weiterhin selbst mit Krediten am Markt versorgen. Jedoch waren auch die Renditen für spanische Anleihen zuletzt gestiegen.

"Die Daten zeigen, dass Spanien Zeit braucht um sich zu erholen", sagte Volkswirt Juan Rodriguez Rey von der Banco Sabadell. Der Konsum ist vergleichsweise bedeutend für das Wachstum in Spanien. "Die mit der hohen Arbeitslosigkeit verbundenen sinkenden Konsumraten beeinträchtigen das Bruttoinlandsprodukt und die Wirtschaftserholung."

Die Regierung erwartet, dass die Arbeitslosenquote bis zum Jahresende leicht sinkt. Die Zentralbank hingegen erwartet bis ins nächste Jahr eine Quote von über 20 Prozent.

"Hoffentlich sehen wir den Höhepunkt bei der Arbeitslosigkeit", sagte Ökonomin Tullia Bucco von Unicredit. "In den kommenden Quartalen wird sich die Lage aber nicht deutlich verbessern, höchstens stabilisieren."

Spaniens Wirtschaft war 2008 in die Krise gerutscht, nachdem die Blase am Immobilienmarkt geplatzt war. Vor allem die Baubranche brach in sich zusammen.

nis/rtr/dpa
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