Samstag, 21. September 2019

Wachstumsknick US-Wirtschaft droht das Dümpel-Niveau

US-Wirtschaft: Ruckeliger Aufschwung

Es ist eine hausgemachte Krise: Weil Amerikas Zentralbankchef Ben Bernanke die US-Konjunktur mit Nullzinsen stärken will, bleibt der Kampf gegen die Inflation zurück. Doch die raubt den USA jetzt zusehends eine ihrer wichtigsten wirtschaftlichen Stützen - die Einkaufskraft ihrer Bürger.

Washington - Die US-Wirtschaft hat zum Jahresauftakt unerwartet kräftig an Fahrt verloren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft stieg von Januar bis März mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von lediglich 1,8 Prozent, wie das US-Handelsministerium am Donnerstag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Noch zu Jahresende lag das Plus bei 3,1 Prozent.

Grund für den Rücksetzer: Amerikas Bürgern geht zusehends das Geld für große Anschaffungen aus. Im Gegenteil, mehr und mehr Amerikaner können ihren Lebensstandard nur noch mit Rückgriff auf ihr Erspartes aufrechterhalten, weil die Preise für viele Waren in den Vereinigten Staaten seit geraumer Zeit immer schneller und schneller steigen; die Sloan School of Management des Massachusetts Institute of Technology (MIT) ermittelt mit einem alternativen, nicht-offiziellen Ansatz ("The Billion Prices Project") eine Teuerung von 10,5 Prozent in den USA. Vor allem der private Konsum geriet so dann auch zuletzt ins Stocken - nicht unerheblich für eine Volkswirtschaft, die wie kaum eine andere vom Einkaufsdrang ihrer Bürger abhängt.

Doch insbesondere höhere Preise für Lebensmittel und Kraftstoffe machen den Verbrauchern zu schaffen. Die Konsumausgaben stiegen dann auch zuletzt mit 2,7 Prozent langsamer als im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Unter dem Strich fallen die Konsumausgaben damit in den USA auf das Niveau zum Ausklang der Wirtschaftskrise zurück.

Kein Wunder dann auch, dass die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche wieder gestiegen sind. Die Zahl habe sich um 25.000 auf 429.000 Anträge erhöht, teilte das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mit. Auch im aussagekräftigeren Vier-Wochen-Schnitt stieg die Zahl in der abgelaufenen Woche um 9250 auf 408.500 Anträge - du weist damit zumindest tendenziell nicht auf einen deutlichen Aufschwung in den Vereinigten Staaten hin. Zuvor allerdings hatte sich der US-Arbeitsmarkt deutlich verbessert gezeigt.

US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte deshalb am Mittwoch ihre Konjunkturprognose gesenkt und angekündigt, noch länger bei ihrer ultralockeren Nullzins-Geldpolitik zu bleiben - und die Inflationsbekämpfung vorerst zumindest hintenanzustellen.

kst/dpa-afx/rtr/afp

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