Wirtschaftswachstum DIW-Forscher errechnen starken deutschen Jahresauftakt

Es scheint ein Jahresauftakt nach Maß geworden zu sein: Die Deutsche Wirtschaft hat nach Meinung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung allein in den Monaten Januar bis Ende März um 0,9 Prozent zugelegt. Zugleich sinkt hierzulande die Arbeitslosigkeit - und der Aufschwung soll weitergehen.
Bauindustrie: Rücksetzer nach beendetem Winteraufholprozess

Bauindustrie: Rücksetzer nach beendetem Winteraufholprozess

Foto: dapd

Berlin - Die deutsche Wirtschaft bleibt nach Expertenmeinung in vergleichsweise gutem Zustand. Das Institut der deutschen Wirtschaft (DIW) in Berlin geht jetzt nach einer ersten Bilanz für die Monate Januar bis März davon aus, dass die hiesige Wirtschaft allein in diesem ersten Quartal verglichen mit dem Ende des vergangenen Jahres um 0,9 Prozent zugelegt haben dürfte.

Gleichzeitig hat die Bundesagentur für Arbeit informiert, dass die Arbeitslosigkeit hierzulande im April gesunken ist. 132.000 Frauen und Männer, die zuvor auf Jobsuche waren, hätten eine neue Anstellung gefunden. Die Arbeitslosenquote sei auf 7,3 Prozent gesunken. Zudem sind Deutschlands Manager derzeit offenbar bereit, so viele Menschen wie seit langem nicht mehr einzustellen, und jetzt scheint weitere Besserung möglich. "Angesichts der guten Auftragslage stehen für die deutsche Konjunktur die Signale auf Grün", sagte DIW-Experte Vladimir Kuzin.

Nach Meinung der DIW-Forscher wird Deutschlands Wirtschaft im zweiten Quartal zwar nicht mehr so deutlich wie in den ersten Monaten wachsen; die Bauindustrie hat den Produktionsausfall durch den Eiswinter vergangenen Jahres mittlerweile wettgemacht, so dass die Bauindustrie auf normales Wachstumstempo zurückfällt und unter dem Strich nach DIW-Meinung ein Quartalsplus in Höhe von 0,6 Prozent übrig bleibe. Würde die deutsche Wirtschaft das Wachstumstempo aus der ersten Jahreshälfte im gesamten Jahr durchhalten, dürfte zum Jahreswechsel ein Plus von etwa 3 Prozent zu Buche stehen - und damit erheblich mehr, als in den meisten anderen Staaten der Euro-Zone.

Der Konjunkturindikator des manager magazins, exklusiv erstellt vom Wirtschaftsforschungsinstitut Kiel Economics, signalisiert ebenfalls schon jetzt im Jahr ein Wirtschaftsplus von rund 3 Prozent in 2011.

Unterstützt wird die Entwicklung hierzulande auch von den vergleichsweise lockeren Bedingungen, die Banken hierzulande ihren Unternehmenskunden für neue Kredite aufbürden; schon in den vergangenen Monaten hatte die deutsche Wirtschaft davon profitiert, dass die Geldhäuser ihren Kreditspieleraum aus Risikoerwägungen lieber hierzulande ausschöpfen, als in wirtschaftlich weniger soliden Gebieten Europas.

Eine flächendeckende Kreditklemme, vor der Pessimisten in der Rezession gewarnt haben, scheint mehr denn je vom Tisch. Dies geht aus einer monatlichen Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervor. Im April berichteten demnach nur noch 22,6 Prozent der Firmen über einen schwierigen Zugang zu Bankkrediten. Dies waren 1,1 Prozentpunkte weniger als im Vormonat. Seit Einführung der Umfrage 2003 habe es noch nie einen geringeren Wert gegeben. "Der Aufschwung in Deutschland wird durch günstige Kreditbedingungen der Banken unterstützt", sagte DIW-Experte Vladimir Kuzin dann auch.

Für Risiken sorgt nach Einschätzung der Berliner Forscher das weltwirtschaftliche Umfeld. Die wegen der weltwirtschaftlichen Erholung und der Unruhen in der arabischen Welt stark gestiegenen Ölpreise dürften weltweit das Wachstum etwas dämpfen. "Vor allem aber werden die Finanzmärkte wieder nervöser", sagte DIW-Fachmann Ferdinand Fichtner. Die Schuldenkrise im Euroraum, die Katastrophe in Japan und die "dramatische Situation der Staatsfinanzen in den USA" sorgten für Beunruhigung. "Verschärfen sich die Probleme, könnte auch die Realwirtschaft wieder in Bedrängnis kommen", warnte Fichtner.

kst/rtr/dpa
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