Dienstag, 23. April 2019

Düsterer Rekord Geldgeber fordern für Griechenland-Anleihen 25 Prozent Rendite

Kritische Entwicklung: Zinsen für griechische Staatsanleihen erreichen Negativrekord

Die Lage wird immer prekärer: Aus Furcht vor der Staatspleite haben Anleger erstmals auf erschreckenden 25 Prozent Zinsen für Griechen-Bonds gepocht. Jetzt will der Chef des weltgrößten Staatsanleihenhändlers Konsequenzen sehen - und fordert mit der Umschuldung gleich die bitterste für die Griechen.

Frankfurt am Main - Die Lage an den Finanzmärkten wird für das hoch verschuldete Griechenland immer schwieriger: Anhaltende Umschuldungsgerüchte treiben die Renditen der Staatsanleihen in Rekordhöhe. So stieg die Rendite zweijähriger griechischer Staatsanleihen am Mittwoch erstmals seit Gründung der Währungsunion über die Marke von 25 Prozent.

Zeitweilig kletterte die Rendite auf bis zu 25,1 Prozent. Dagegen liegt die Rendite für zweijährige deutsche Staatspapiere derzeit bei 1,76 Prozent. Der Grund ist die erstklassige Bonität Deutschlands.

Griechenland wird deshalb auch nach Einschätzung des weltgrößten Staatsanleihenhändlers Pimco ohne eine "möglichst freiwillige und ordentliche Umschuldung" seiner Schuldenprobleme nicht Herr werden. "Die bisherigen Lösungsversuche für Griechenland haben nicht funktioniert. Und viele, mich eingeschlossen, glauben auch nicht daran, dass sie künftig funktionieren werden", sagte Pimco-Chef Mohamed El-Erian dem "Handelsblatt".

Der einflussreiche Großinvestor, dessen Handelshaus Pimco zum Reich des deutschen Versicherungsriesen Allianz gehört, geht allerdings nicht nur mit den Griechen hart ins Gericht, sondern auch mit Europa. Bisher hätten die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone aus Furcht vor der nötigen bitteren Konsequenz nicht entschieden genug durchgegriffen. Europa müsse daher wachsam bleiben, forderte El-Erian. "Das bedeutet, "Rettungsversuche aufzugeben, wenn sie nicht funktionieren und auch künftig nicht funktionieren werden."

Was Griechenland brauche, seien neben Sparsamkeit und Strukturreformen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit. Die sollten durch Liquiditätshilfen abgesichert sein und dazu gehöre eine Umschuldung. Wenn Europa schnell handle, werde "Griechenland nicht die Europäische Währungsunion in Gefahr bringen".

Dennoch: Auch in anderen angeschlagenen Euro-Ländern wie Irland und Portugal legten die Renditen der Staatsanleihen am Mittwoch zu, allerdings bei weitem nicht so stark wie diejenigen Griechenlands. Zudem liegt das Renditeniveau für irische und portugiesische Staatsanleihen noch nicht einmal halb so hoch wie beim größten Euro-Schuldensünder Europas.

Für Griechenland und auch für Portugal war am Vortag ein noch höheres Staatsdefizit im vergangenen Jahr ausgewiesen worden als zuvor angenommen. Im Fall Griechenland lag das Defizit 2010 laut der Statistikbehörde Eurostat bei 10,5 Prozent statt zuvor ausgewiesener 9,6 Prozent. Erlaubt sind nach dem Maastricht-Vertrag höchstens 3 Prozent. Es vergehe kaum noch ein Tag ohne neu Hiobsbotschaften über die Schuldenkrise in Griechenland, kritisierte dann auch der Chef des weltgrößten Anleihenhändlers Pimco, Mohamed El-Erian, im "Handelsblatt".

nis/dpa

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