Sperrgebiet eingerichtet Japans Regierung zieht bittere Konsequenzen

Ab sofort dürfen Japans Bürger nur noch mit einer staatlichen Genehmigung das Unglücksgebiet um das Kraftwerk Fukushima Daiichi betreten. Zu schwer wiegen die Katastrophenfolgen - nach Meinung der Wirtschaftsorganisation OECD so schwer, dass jetzt selbst Japans Wirtschaftsaufschwung wegbricht.
Zufahrt verboten: Ab Donnerstag Nacht gilt eine 20-Kilometer-Sperrzone rund um das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi

Zufahrt verboten: Ab Donnerstag Nacht gilt eine 20-Kilometer-Sperrzone rund um das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi

Foto: REUTERS/Kyodo

Tokio - Japans Ministerpräsident Naoto Kan musste reagieren. Das Gebiet rund um das Katastrophenkraftwerk Fukushima Daiichi ist mittlerweile so stark verseucht, dass Gesundheitsgefahren selbst in der nachbarschaft drohen. Bei einem Besuch in der gleichnamigen Provinz Fukushima hat der Regierungschef jetzt die Umgebung des Atomkraftwerks im Umkreis von 20 Kilometern zu einem Sperrgebiet erklärt, das niemand ohne staatliche Genehmigung betreten dürfe.

Die Regierung hatte dieses Gebiet zwar bereits zuvor zu einer Evakuierungszone erklärt, es gab jedoch kein Verbot, es zu betreten. Die Sperrzonen-Regelung tritt an diesem Donnerstag um Mitternacht in Kraft.

Die Folgen des Erdbebens, Tsunamis und der darauf folgenden Atomkatastrophe machen sich nach Meinung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) jetzt auch stark in der Wirtschaftsleistung Japans bemerkbar: Sie werde im laufenden Jahr wohl nur um 0,8 Prozent zulegen. Vor den Katastrophen waren die OECD-Schätzer noch von einem Plus von 1,7 Prozent ausgegangen. Damit kommt zu dem menschlichen Leid, das Japans Bürger durch die Katastrophe erdulden müssen, auch noch steigender wirtschaftlicher Druck.

OECD: Unter Umständen radikale Steuererhöhungen nötig

Zwar hält es auch die OECD nun für unvermeidbar, dass die Regierung zum Wiederaufbau der zerstörten Regionen Geld ausgebe. Gleichzeitig ermahnte die Organisation die japanische Regierung aber zur Disziplin. Die Umsatzsteuer beispielsweise könnte zur Finanzierung des Aufbaus radikal von derzeit 5 Prozent auf dann 20 Prozent angehoben werden müssen.

Die Einrichtung des Sperrgebiets im 20 Kilometerradius um das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi kam nicht mehr überraschend. Immer wieder waren ehemalige Bewohner trotz der akuten Gefahr durch radioaktive Strahlen auf eigene Faust in ihre Wohngebiete zurückgekehrt, um Habseligkeiten herauszuholen. Das wird jetzt nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung und unter Auflagen möglich sein. So soll es nur einer Person pro Haushalt erlaubt werden, das Gebiet für etwa zwei Stunden zu betreten. Die Menschen müssen dabei Schutzkleidung und ein Dosimeter tragen, erklärte Regierungssprecher Yukio Edano. Es werden dafür Busse bereitgestellt.

Dies gilt allerdings nicht für Menschen, deren Wohnungen in einem Umkreis von drei Kilometern ums das havarierte Kraftwerk liegen. Sie dürfen dieses Gebiet nicht betreten. Die erste Phase der Rückkehraktion solle "in wenigen Tagen" beginnen und etwa ein bis zwei Monate dauern, hieß es. Der Atombetreiber hatte zuvor bekanntgeben, dass mit einer Stabilisierung der Lage im AKW frühestens in sechs bis neun Monaten zu rechnen sei.

kst/rtr/dpa-afx
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