Privatisierungsplan Griechische Gewerkschaft will Regierung Strom abdrehen

Wegen der überbordenden Staatsverschuldung will Griechenland die Elektrizitätsgesellschaft DEI privatisieren, doch deren Mitarbeiter laufen gegen die Pläne jetzt Sturm. Ihre Gewerkschaft will den Strom abdrehen - und bei den Ministerien anfangen.
Parlamentsgebäude in Athen: Gibt es hier bald keinen Strom mehr?

Parlamentsgebäude in Athen: Gibt es hier bald keinen Strom mehr?

Foto: Dimitri Messinis/ AP

Athen - "Wir werden streiken - und alle wissen, wie es ist, wenn wir es tun", droht die Gewerkschaft der griechischen Elektrizitätsgesellschaft (DEI). Sie will die Privatisierung des Unternehmens im Kampf gegen den drohenden Staatsbankrott verhindern - und greift dabei zu harten Mitteln: Stromabschaltungen und Streiks.

Die Arbeitsniederlegungen sollen offenbar Anfang Mai beginnen. Zunächst wird laut der Gewerkschaft Ministerien und anderen Regierungsgebäuden der Strom abgedreht. Dann sollen auch ganze Stadtteile ohne Licht bleiben.

Für die regierenden Sozialisten unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou gilt die Privatisierung der DEI als möglicher Stolperstein auf dem ohnehin schwierigen Weg zur Rettung der griechischen Finanzen. Athen plant bis 2015 Privatisierungen von Staatseigentum sowie den Verkauf von Immobilien - in einem Volumen von insgesamt 50 Milliarden Euro. Dabei sollen auch 17 Prozent der von DEI verkauft werden. Damit würde der Staat die Mehrheit der Aktien (heute 51 Prozent) verlieren. Die Beschäftigten gelten bisher wegen ihrer relativ hohen Gehälter als privilegiert.

Das neue griechische Reform- und Sparprogramm soll helfen, eine Umschuldung abzuwenden. Griechenland lehnt diese Möglichkeit offiziell weiterhin ab, die anhaltenden Diskussionen darüber haben jedoch die Zweifel der Anleger an der Kreditwürdigkeit des Landes verstärkt. Die Versicherung eines zehn Millionen schweren Kredits an Griechenland habe sich um 30.000 auf 1,275 Millionen Euro verteuert, teilte der Datenanbieter Markit mit. Gleichzeitig stiegen die Renditen fünfjähriger griechischer Staatspapiere um 21 Basispunkte auf 19,95 Prozent.

Auch für die Euro-Sorgenkinder Irland und Portugal stiegen die Risikoaufschläge für Staatsanleihen teils kräftig an. In Griechenland und Portugal kletterten die Aufschläge für zehnjährige Staatstitel sogar auf die höchsten Stände seit Gründung der Währungsunion.

Obgleich höhere Zinsen gezahlt werden mussten, bestand Spanien am Mittwoch einen wichtigen Test am Rentenmarkt: Eine Platzierung langlaufender spanischer Staatsanleihen fand eine gute Nachfrage. Zuletzt waren Befürchtungen aufgekommen, dass nach Portugal auch das wesentlich größere Spanien wieder in den Blick der Märkte geraten könnte. Der Euro legte daraufhin zu und stieg deutlich über 1,45 US-Dollar.

lgr/dpa/rtr
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.