Donnerstag, 14. November 2019

Krise in Europa Euro-Partner prüfen Umschuldung von Griechenland

Proteste in Athen: Trotz harter Sparmaßnahmen wachsen die Schulden

Griechenland rutscht immer tiefer in die Krise. Auch die Hilfskredite der Euro-Partner helfen dem Land nur unwesentlich. Nun erwägen mehrere Länder laut Medienberichten den Schuldenschnitt für Athen. Das würde allerdings auch Portugal und Irland unter Druck setzen.

Hamburg - Was Experten seit langem vorhersagen, halten nun offenbar auch mehrere Regierungen für denkbar: Die Euro-Staaten erwägen laut "Financial Times Deutschland" eine Umschuldung von Griechenland. Bislang hatten offizielle Seiten dies noch vehement zurückgewiesen - und darauf beharrt, das Rettungspaket reiche aus, um Griechenland zu sanieren.

Doch die Schulden des Landes steigen weiter - trotz harter Sparmaßnahmen. Unter den Euro-Staaten wachsen daher die Zweifel, dass Griechenland 2012 an den Anleihemarkt zurückkehren und sich so teils selbstfinanzieren könnte. Das sah die bisherige Planung vor.

Angesichts der immensen Zinsen, die Griechenland am Markt für neue Schulden zahlen müsste, scheint dies aber fraglich. Der Staat wäre dann auf höhere Kredite der Euro-Gruppe angewiesen. "Eine Verlängerung und Aufstockung des Hilfspakets wäre politisch nicht vermittelbar. Dann müssen Konsequenzen gezogen werden", zitiert die "FTD" einen Vertreter aus dem Finanzministerium eines großen Euro-Lands. "Wir müssen dafür einen Plan in der Tasche haben", sagte der Berater eines EU-Regierungschefs.

Nach SPIEGEL-Informationen dringt auch der Internationale Währungsfonds (IWF) auf eine Umschuldung. Denkbar sei ein Schuldenschnitt, die Verlängerung der Laufzeiten von Anleihen oder niedrigere Zinszahlungen. Alle drei Alternativen laufen darauf hinaus, dass Inhaber griechischer Staatsanleihen auf einen Teil ihrer Rendite verzichten müssen.

Bislang Kredite in Höhe von 50 Milliarden Euro

Eine Umschuldung der Griechen würde jedoch auch die anderen Euro-Krisenstaaten treffen: An den Finanzmärkten würde sofort spekuliert, ob auch Irland und Portugal umschulden müssen, die Risikoaufschläge auf deren Anleihen dürften steigen.

Griechenland bekommt seit knapp einem Jahr Kredite der Euro-Partner und des IWF. Von den insgesamt 110 Milliarden Euro ist knapp die Hälfte ausgezahlt, das Programm läuft bis 2013. Griechenland hat eine Umschuldung bisher vehement abgelehnt. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou ist aber laut "FTD" inzwischen bereit, darüber nachzudenken.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger plädiert für eine schnelle Umschuldung. "Also ich denke, je schneller man eine solche Umschuldung vorantreibt, desto besser", sagte Bofinger im Deutschlandfunk. Es gelte darum, die Schulden in Ländern wie Griechenland, Portugal oder Irland auf ein tragbares Maß zu reduzieren und eine Ansteckung von weiteren Ländern wie Spanien oder Italien zu vermeiden.

Kritik an einer möglichen Abwertung kam vom Versicherer Generali Deutschland: "Ein Haircut auf einzelne Länder wäre in der derzeitigen Situation das falsche Signal", sagte Finanzchef Torsten Utecht der "FTD". Die negativen Auswirkungen auf andere Länder und den Finanzsektor seien "kaum zu beherrschen".

cte/dpa-AFX

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