Mittwoch, 22. Januar 2020

Staatsanleihen Portugals Banken drohen Portugal

Portugals geschäftsführender Premierminister José Sócrates: Inländische Banken gehen auf Distanz zum eigenen Staat

Schallende Ohrfeige für Portugals Regierung: Nach Medieninformationen wollen einige der wichtigsten Geldhäuser Portugals dem Staat Portugal keine Staatsanleihen mehr abnehmen. Es sei denn, Portugal nehme endlich die Euro-Hilfe an.

Lissabon - Einige der wichtigsten Banken Portugals wollen dem hoch verschuldeten Euro-Land nach einem Zeitungsbericht kein Geld mehr leihen und drängen die Regierung in Lissabon auf, einen Antrag auf externe Finanzhilfe zu stellen. Wie das Wirtschafsblatt "Jornal de Negocios" schrieb, forderten die Banken den geschäftsführenden Regierungschef José Sócrates auf, beim Euro-Rettungsfonds noch vor den Neuwahlen am 5. Juni eine "Zwischenhilfe" in Höhe von 15 Milliarden Euro zu beantragen. Das reiche, um es bis zum Sommer zu schaffen, hieß es.

Bei einem Treffen in der Zentralbank in Lissabon hätten die Chefs mehrerer Kreditinstitute am Montag beschlossen, den Kauf von portugiesischen Staatsanleihen für einige Monate einzustellen, so die Zeitung. Der Bericht wurde zunächst weder bestätigt noch dementiert. Doch der Präsident der Bank BCP, Carlos Santos Ferreira, hatte am Montag im portugiesischen Fernsehen erklärt, ein Antrag auf eine finanzielle "Zwischenhilfe" sei inzwischen "unentbehrlich".

Erst am Montagabend sprach sich Sócrates erneut energisch gegen einen Hilfsantrag aus. Er wolle sein Bestes tun, um ein solches Ersuchen zu vermeiden, sagte der Sozialist bei einem Interview des TV-Senders RTP. Er warnte, ein solcher Schritt würde schlimme Folgen für die Portugiesen, aber auch für Europa haben. "Wenn Portugal fällt, dann werden der Euro und Europa geschwächt werden", sagte er. Ein Hilfsantrag könne nur das "allerletzte Mittel" sein.

Portugal gilt als zur Zeit größter "Wackelkandidat" der Europäischen Union. Viele Finanzexperten gehen davon aus, dass das Land früher oder später unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss. Sócrates war am 23. März zurückgetreten, nachdem seine Minderheitsregierung im Parlament keine Mehrheit für das jüngste Sparpaket gefunden hatte.

Am Dienstag senkte die Ratingagentur Moody's die Note für das ärmste Land Westeuropas erneut um eine Stufe. Die Renditen für portugiesischen Anleihen kletterten inzwischen auf neue Rekordhöhen.

kst/dpa

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