Die Wirtschaftsglosse Alt-Kontrolleure sofort vom Netz!

Die Bundesregierung hat ihre Erfolgsformel endlich gefunden. Mit einem Moratorium lässt sich so manches Problem lösen, am Ende des Tages auch die Frauenquote.
Zweifelhafte Strahlkraft: Nimmt die Bundesregierung auch die ältesten Aufsichtsräte vom Netz?

Zweifelhafte Strahlkraft: Nimmt die Bundesregierung auch die ältesten Aufsichtsräte vom Netz?

Foto: Kay Nietfeld/ picture-alliance/ dpa

Die politischen Atomschläge nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat die Bundesregierung doch recht gut überstanden. Jetzt muss nur noch das brisante Frauenthema vom Tisch. Denn rechtzeitig vor den Senatswahlen in Berlin ist damit zu rechnen, dass die grüne Spitzenkandidatin Renate Künast die Frauenquote zum beherrschenden Thema machen wird. Schließlich gibt es am Alex kein AKW.

Weil freiwillige Selbstverpflichtungen der deutschen Unternehmen ja doch zu nichts führen, muss Angela Merkel nun entschlossen handeln, wie es halt so ihre Art ist. Das hat beim Atom ja auch ganz gut geklappt. Folgendes wird deshalb verfügt.

Bis zum Jahr 2020 müssen 30 Prozent der Aufsichtsräte erneuerbar sein, sprich mit Frauen bestückt werden. Als Sofortmaßnahme (Merkel: "Wir können jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen") werden die sieben ältesten Dax-Aufsichtsratsvorsitzenden stillgelegt. Es handelt sich um die Herren Ferdinand Piëch (73, VW), Ferdinand Piëch (73, MAN), Gerd Krick (72, Fresenius), Gerd Krick (72, Fresenius Medical Care) sowie Manfred Schneider (72, RWE), Manfred Schneider (72, Linde) und Manfred Schneider (72, Bayer). Der Corporate-Governance-Betreiber Eon trennt seinen Oberkontrolleur Ulrich Hartmann (72) freiwillig vom Netzwerk ab und überträgt die Restlaufzeit zur Hauptversammlung im Mai auf den ehemaligen Bayer-Chef Werner Wenning (64).

Es wird ein sechsmonatiges Moratorium geben (die Berliner wählen schließlich erst im September). Während dieser Zeit werden sämtliche männlichen Dax-Kontrolleure auf ihre Strahlkraft überprüft und ob sie noch richtig brennen (für was auch immer). An einer Nachrüstungspflicht für die Aufsichtsgremien führt kein Weg vorbei: Ausreichende Maßnahmen für eine größere Durchlässigkeit reaktionärer Blöcke sind zu treffen. Sonst wird eine Fluggebotszone über dem Dax-30 eingerichtet.

Über ein entsprechendes Karriere-Endlager (EU-Kommission in Brüssel, Golf-Resort auf Malle) hat sich die Regierung noch kein abschließendes Urteil gebildet.

An den Bundeswirtschaftsminister ergeht die interne Anweisung, während des Moratoriums an keinerlei Hintergrundgesprächen teilzunehmen. Oder still dazusitzen und einfach mal die Klappe zu halten. Beziehungsweise so unverständlich in sich hinein zu nuscheln, dass beim besten Willen kein Protokoll angefertigt werden kann.

Ja, die Merkel-Strategie könnte aufgehen. Es sei denn, die Sozen mischen sich noch ein. Heute (kein Aprilscherz!) feiert in Berlin der "Business and Professional Women Germany e.V." das 60jährige Bestehen des Frauennetzwerks. Der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bittet die Damen zu einem festlichen Empfang.

Seien Sie auf der Hut, Frau Merkel!

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