Sonntag, 8. Dezember 2019

Fukushima I Strahlung erreicht Rekordwert

Atomkatastrophe in Japan: Mit einem Geigerzähler wird der Taucher auf Radioaktivität untersucht

Greenpeace hat eine Ausweitung der Schutzzone auf 40 Kilometer rund um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima I gefordert. Die Strahlung im Meer ist inzwischen auf einen Rekordwert gestiegen, der Chef des Betreibers Tepco in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Tokio - Im Meerwasser vor dem Unglücksreaktor Fukushima I wurde eine sehr hohe Konzentration von radioaktivem Jod entdeckt. Die Radioaktivität habe das 3.355-Fache des zulässigen Wertes erreicht, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch.

Es ist der bisher höchste gemessene Wert im Meer vor Fukushima. Frühere Messungen hatten eine 1850-fach erhöhte Belastung ergeben. Das sei ein Beleg dafür, dass weiterhin kontaminiertes Wasser aus dem zerstörten AKW in den Ozean fließt, heißt es weiter.

Greenpeace-Messungen zeigten in dem 7000-Einwohner-Ort Iitate, 40 Kilometer nordwestlich des Kraftwerks, eine Strahlenbelastung von bis zu zehn Microsievert in der Stunde. Um Tsushima seien sogar 100 Microsievert pro Stunde gemessen worden. Das teilte die Organisation am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Tokio mit. Zum Vergleich: 2,1 Millisievert - also 2100 Mikrosievert - im ganzen Jahr ist jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich ausgesetzt.

Jan van de Putte, Strahlenexperte von Greenpeace: "Es ist für die Menschen eindeutig nicht sicher in Iitate zu bleiben, vor allem für Kinder und schwangere Frauen. Sie könnten die maximal zulässige jährliche Strahlendosis in nur wenigen Tagen abbekommen." Die japanische Regierung hat bisher eine 20 Kilometer-Evakuierungszone um das Atomkraftwerk errichtet.

Verwaltungsratchef übernimmt Tepco-Führung

Der Chef des Betreibers Tepco ist unterdessen in eine Klinik eingeliefert worden. Masataka Shimizu habe wegen Bluthochdrucks und Schwindel am Dienstagabend in ein Krankenhaus gebracht werden müssen, berichtete der Fernsehsender NHK am Mittwoch. Das Ruder an der Spitze von Japans größtem Energieversorger habe nun der Chef des Verwaltungsrats, Tsunehisa Katsumata, übernommen, teilte ein Firmensprecher mit.

Der 66-Jährige Shimizu war bereits am 16. März erkrankt - fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben, durch das in Fukushima das Atomkraftwerk havarierte. Er nahm sich eine Auszeit von einer Woche. Shimizu war zuletzt am 13. März bei einer Pressekonferenz öffentlich aufgetreten und zog damit Kritik auf sich.

Tepco hatte erst am Montag öffentlich erklärt, dass Shimizu während der Atomkrise erkrankt sei und sich für einige Tage aus dem gemeinsamen Krisenstab der Regierung und seines Unternehmens zurückgezogen habe. Die Zeitung "Mainichi" berichtete unter Berufung auf einen Firmenvertreter, der Tepco-Chef sei so krank gewesen, dass er sich in dem Gebäude des Krisenstabs in einen eigenen Raum zurückgezogen habe und dort "meist im Bett" geblieben sei.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung