Griechenland Nonnen bringen ihr Geld in Sicherheit

Die Griechen scheinen dem eigenen Staat nicht mehr zu trauen. Seit Anfang vergangenen Jahres haben sie etwa 30 Milliarden Euro Erspartes ins Ausland geschafft. Sogar Nonnen versuchen offenbar zu retten, was sie haben.
Protest in Griechenland: Kapitalabstimmung mit den Füßen

Protest in Griechenland: Kapitalabstimmung mit den Füßen

Foto: Dimitri Messinis/ AP

Athen - Griechenland erlebt eine Kapitalflucht enormen Ausmaßes. Das Finanzministerium in Athen schätzt, dass die Griechen seit Ausbruch der Finanzkrise Anfang vergangenen Jahres 30 Milliarden Euro Erspartes außer Landes geschafft haben.

Er sei überrascht gewesen, welche Menschen aus welchen sozialen Schichten Geld aus dem Land geschafft haben, berichtete Panagiotis Nikoloudis, zuständig für Geldwäsche und illegalen Geldtransfer in einem Parlamentsausschuss. "Sogar Nonnen haben Geld ins Ausland gebracht" sagte Nikoloudis. Die Regierung versucht, zumindest einen Teil des Geldes wieder ins Land zu holen. Wer sein Geld zurückbringt, braucht nur acht Prozent Steuern zu zahlen. "Mehr können wir im Moment nicht machen", hieß es aus Kreisen des Finanzministeriums. Das Kapital sei hauptsächlich nach Zypern, in die Schweiz und nach Großbritannien geflossen.

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat dann auch Zweifel an der Rückzahlung internationaler Notkredite für Griechenland schnell zurückgewiesen. "Wir werden jeden Cent zurückzahlen", sagte Papandreou dem Magazin "Stern". "Deutschland bekommt sein Geld zurück - und zwar mit hohen Zinsen", versicherte Papandreou. "Der deutsche Steuerzahler wird mehr zurückerhalten, als er verliehen hat." Im vergangenen Jahr erhielt Griechenland 110 Milliarden Euro Kredite vom Internationalen Währungsfonds IMF sowie der EU, um einen drohenden Staatsbankrott zu verhindern.

Griechenlands Wirtschaft wird durch Finanzspritzen aus der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) am Leben gehalten. Kontrolleure der Europäischen Zentralbank, der EU-Kommission sowie des IWF prüfen in Athen laufend die Bücher. Von ihren Berichten hängt es ab, ob Athen Finanzspritzen erhält. Das gesamte Rettungspaket für Griechenland umfasst 110 Milliarden Euro über drei Jahre.

kst/afp
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