Freitag, 20. September 2019

Verwüstete Landstriche Japan schätzt Bebenschäden auf bis zu 218 Milliarden Euro

Desasterfolgen: Japans Riesenkampf gegen das Wirtschaftsbeben
REUTERS

Es war die schwerste Naturkatastrophe in der Geschichte Japans, die Schäden sind gigantisch. Japans Regierung geht offenbar von Verwüstungen von bis zu 218 Milliarden Euro aus. Jetzt wird auch dem Rückversicherer Munich Re klar, für welche Summe er davon geradestehen muss - und kassiert sein Gewinnziel.

Tokio - Die japanische Regierung schätzt den von Erdbeben und Tsunami verursachen Schaden nach Informationen der Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" auf bis zu 25 Billionen Yen (218 Milliarden Euro). Eine entsprechende Schätzung werde Wirtschaftsminister Kaoru Yosano am (heutigen) Mittwoch bei einer Kabinettssitzung vorlegen, berichtete die Zeitung.

Das Beben der Stärke 9,0 und der nachfolgende Tsunami am 11. März verwüsteten die Nordostküste Japans und lösten eine Krise im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi aus, die noch andauert. Seither wurden Stromrationierungen verhängt, viele Fabriken wurden geschlossen, wichtige Eisenbahnverbindungen sind unpassierbar.

Das Erdbeben und der Tsunami in Japan haben dem weltgrößten Rückversicherer Munich Re das Gewinnziel zerschlagen. Der Vorstand schätzt, dass das Unternehmen für die Schäden mit 1,5 Milliarden Euro vor Steuern geradestehen muss. Das Ziel, in diesem Jahr einen Konzerngewinn von 2,4 Milliarden Euro zu erreichen, sei daher nicht mehr zu halten, teilte der Münchner Konzern am Dienstagabend mit. Die Schadenprognose für Japan sei noch sehr unsicher. Wegen der starken Zerstörung, möglicher weiterer Nachbeben und schwieriger Aufräumarbeiten werde es noch viele Wochen dauern, bis die Schäden erfasst seien. Die Atomunfälle dürften die Versicherungsbranche allerdings kaum belasten.

Niedrigerer Gewinn, sinkender Aktienkurs

Der Kurs der Munich-Re-Aktie gab nachbörslich nach. Bei Lang & Schwarz lag das Papier gegen 20 Uhr 1,36 Prozent im Minus bei auf 108,50 Euro. Das Gewinnziel der Munich Re hatte bereits nach Erdbeben und Überschwemmungen in anderen Teilen der Welt im Januar und Februar auf der Kippe gestanden.

Die Kette der Katastrophen in Japan trifft den Dax-Konzern Munich Re deutlich schwerer als seinen Schweizer Mitbewerber Swiss Re. Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer aus Zürich hat seine Belastung auf 1,2 Milliarden US-Dollar (846 Mio Euro) geschätzt. Das Swiss-Re-Management schloss am Montag jedoch nicht nicht aus, dass es seine Prognose im Nachhinein "erheblich" anpassen muss. Die Hannover Rück hat zu ihrer Belastung noch keine Angaben gemacht.

Bei der Munich Re schlägt vor allem durch, dass der Rückversicherer in Japan Anlagen und Gebäude von Industrie- und Geschäftskunden versichert hat. Aus diesem Bereich stamme der Großteil der Schäden, hieß es. Die Schadensprognose stammt allerdings alleine aus Modellrechnungen, weil die konkreten Schadensmeldungen bislang fehlen.

kst/dpa-afx/apd

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