Mittelmeer Tausende Flüchtlinge überfordern Lampedusa

Immer mehr Migranten erreichen Lampedusa: In der Nacht kamen erneut drei Boote an. Inzwischen befinden sich mehr als 5500 Tunesier auf der Mittelmeerinsel. Diese kann den Flüchtlingsansturm nicht mehr verkraften, die Behörden scheinen überlastet - und fürchten weitere Einwanderer.
Ankunft eines Flüchtlingsbootes: Tunesier grüßen ihre Landsmänner

Ankunft eines Flüchtlingsbootes: Tunesier grüßen ihre Landsmänner

Foto: CARLO HERMANN/ AFP

Lampedusa - Mitte Februar schien der Höhepunkt erreicht: Innerhalb von wenigen Tagen waren 5000 Tunesier nach Lampedusa gelangt. Damit befanden sich zeitweise mehr Migranten als Einwohner auf der italienischen Mittelmeerinsel. Doch nun, einen Monat später, spitzt sich die Lage erneut zu.

Auf weit mehr als 5500 ist die Zahl der fast ausschließlich tunesischen Flüchtlinge auf Lampedusa hochgeschnellt. In der Nacht erreichten drei Boote mit zusammen 290 Immigranten an Bord die Insel, berichteten italienische Medien am Dienstag. Lampedusa ist nur etwa 130 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt.

Das Auffanglager ist seit Tagen überfüllt, es ist nur für 850 Menschen ausgelegt. Die Insel ist mit dem Flüchtlingsansturm überfordert. Weil die Bevölkerung zunehmend rebelliert, hat Bürgermeister Bernardino De Rubeis den sofortigen Abtransport der Immigranten von Lampedusa verlangt. Dafür setzen sich auch humanitäre Organisationen und das Uno-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) ein. Am Dienstag wurde das Marineschiff "San Marco" erwartet, das etwa 1000 Bootsflüchtlinge in andere Lager bringen soll.

Italien strebt zudem eine baldige Vereinbarung mit der neuen Regierung in Tunis an, um die Immigrantenwelle einzudämmen. Insgesamt sind in diesem Jahr bereits etwa 15.000 Nordafrikaner über den Seeweg nach Italien geflohen. Viele der hauptsächlich aus Tunesien und Ägypten stammenden Flüchtlinge wurden zurückgeschickt.

Die italienischen Behörden begründen dieses Vorgehen damit, dass es in den Heimatländern der Betroffenen keine Kriege oder humanitären Krisen gebe und damit auch kein Anrecht auf Asyl bestehe. Die Regierung in Rom hat die Europäische Union aufgefordert, bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms zu helfen und Italien mit dem Problem nicht allein zu lassen.

Angesichts der jüngsten Kampfhandlungen in Libyen warnen die italienischen Behörden vor einer weiteren Zunahme der Zahl von Bootsflüchtlingen. Bislang hatte die italienische Regierung sich auf ein - sehr umstrittenes - Abkommen mit Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi gestützt. Nicht-Regierungsorganisationen warfen ihm Menschenrechtsverletzungen an Flüchtlingen vor.

sk/rtr/dpa
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