Weltwirtschaft nach dem Beben Japan plant Finanzspritzen für Banken

Ökonomen befürchten, die Ereignisse in Japan könnten das weltweite Wachstum mindern. Insbesondere bei einer Zuspitzung der Lage im Atomkraftwerk Fukushima drohten globale Auswirkungen, heißt es. Die japanische Regierung will mit Kapitalspritzen für Banken des Landes gegensteuern.
Leere Regale: Die japanische Wirtschaft wurde durch das Erdbeben schwer getroffen - die Regierung versucht gegenzusteuern

Leere Regale: Die japanische Wirtschaft wurde durch das Erdbeben schwer getroffen - die Regierung versucht gegenzusteuern

Foto: AFP

Tokio - Die japanische Regierung plant Finanzhilfen für Banken in den Erdbebengebieten des Landes. Die Regierung bestätigte entsprechende Überlegungen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag berichtete. Damit solle sichergestellt werden, dass die Institute ihren Geschäften reibungslos nachgehen könnten.

Regierungssprecher Yukio Edano sagte dem Bericht zufolge, die offiziellen Stellen seien bereits angewiesen, die notwendigen Schritte zu prüfen. Nach dem schweren Beben gab es Bedenken, ob regionale Geldgeber in der Lage seien, die notwendigen Mittel aufzutreiben. Mit dem Regierungsprogramm sollen nach einem Zeitungsbericht vom Sonntag Unternehmen in den betroffenen Regionen leichter Kredite für den Wiederaufbau erhalten.

Insgesamt 72 Banken sind nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" für die staatlichen Hilfen vorgesehen. Welchen Umfang die Finanzspritze haben werde, wurde nicht genannt. Mehr als elf Billionen Yen (95 Milliarden Euro) stehen noch im Rahmen eines Rettungsschirmes für Banken zur Verfügung, der 2008 nach dem Kollaps von des US-Geldinstituts Lehman Brothers beschlossen wurde.

Auch zinsgünstige Kredite für Unternehmen geplant

Neben Banken sollen Wirtschaftsunternehmen für den Wiederaufbau nach der Naturkatastrophe vom 11. März auch direkte zinsvergünstigte Kredite von der Regierung in Tokio erhalten. Hier ist die Rede von bis zu zahn Billionen Yen (86 Milliarden Euro).

Seit Anfang vergangener Woche hatte auch Japans Notenbank Dutzende Milliarden Euro zur Beruhigung der Finanzmärkte in das Bankensystem gepumpt. Die Summe der kurzfristigen Notfallmaßnahmen summierte sich zuletzt auf rund 37 Billionen Yen (322 Mrd Euro).

Das Beben hat hunderte Betriebe betroffen, von Kleinunternehmen bis hin zu Autoherstellern wie Nissan. Produktionsanlagen wurden entweder beschädigt, oder die Produktion musste wegen Problemen mit der Stromversorgung in Folge der Nuklearkatastrophe im Atomkomplex Fukushima heruntergefahren oder ganz eingestellt werden.

Einer Analyse der Dekabank zufolge entstanden der japanischen Wirtschaft durch die Erdbebenkatastrophe Kosten von 137 Milliarden Euro. Diese Summe entspreche 3,2 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Die Volkswirte setzten ihre Wachstumsprognose für Japan für dieses Jahr von 1,5 auf 1,0 Prozent herab, berichtet das Blatt.

Fukushima entscheidet über globalen Aufschwung

Ob die Ereignisse auch Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben werden, hängt nach Ansicht von Experten von der weiteren Entwicklung im Atomkraftwerk Fukushima ab. Sollte es dort zum Super-Gau kommen, so könne sich dies auch auf das weltweite Wachstum auswirken.

Falls die Lage am Atomkraftwerk Fukushima Eins außer Kontrolle gerate, drohten massive Folgen für die globale Konjunktur, sagte etwa der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz in der "Rheinischen Post": "Die Folgen könnten im Extremfall für Japan desaströs sein und erhebliche weltwirtschaftliche Bremsspuren hinterlassen."

Deutsche-Bank-Chefökonom Thomas Mayer warnte: "Eine Atomkatastrophe könnte zu einem Vertrauensschock auf der ganzen Welt führen, der sich über die Finanzmärkte in die reale Wirtschaft übertragen könnte."

HWWI-Chef pessimistisch

Auch die Dekabank befürchtet, dass ein Super-Gau in Fukushima die Weltwirtschaft schwächen würde. Denn eine Verstrahlung in einem Umkreis von 300 Kilometern würde neun japanische Präfekturen betreffen, die rund 40 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beitragen, zitiert die "Welt am Sonntag" aus einer Analyse der Bank. In diesem Fall rechne die Dekabank damit, dass sich das globale Wachstum um einen Prozentpunkt abschwächt.

Die Erdbebenfolgen allein würden sich auf die globale Konjunktur aber nicht auswirken. "Für die Entwicklung der Weltwirtschaft ist es letztlich von nachrangiger Bedeutung, ob Japan in einer Rezession steckt", sagte Dekabank-Volkswirt Rudolf Besch der Zeitung. Dafür sei das Land zu isoliert und exportiere und importiere zu wenige Güter: "Da auch Japans Immobilien- und Finanzmärkte zu wenig mit dem Rest der Welt vernetzt sind, wird es auch zu keinem Unsicherheitsschock kommen, der den Aufschwung der Weltwirtschaft gefährdet."

Hingegen sieht der Ökonom Thomas Straubhaar den Aufschwung der Weltwirtschaft auch ohne Super-Gau in Gefahr. "Erst die Krise in Arabien, dann der Ölpreis, jetzt Japan: Jede dieser Krisen einzeln wäre zu bewältigen, aber in dieser Konzentration könnte eine explosive Mischung entstehen, die den Aufschwung der Weltwirtschaft gefährdet", sagte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) der "Welt am Sonntag": "Mir macht große Sorgen, dass die kritische Marke erreicht sein könnte."

cr/apd/dpa
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