Fukushima I Wasserwerfer sollen Brennstäbe kühlen

Erneuter Rückschlag: Durch den Einsatz der Hubschrauber, die Wasser über dem Atomkraftwerk Fukushima I abgeworfen haben, hat sich die Strahlung nicht reduziert. Nun sollen Wasserwerfer die Brennstäbe kühlen. Gleichzeitig versuchen Ingenieure, die Stromversorgung wieder in Gang zu bringen.
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Fukushima I: Techniker kämpfen verzweifelt gegen den Super-GAU

Fukushima I: Techniker kämpfen verzweifelt gegen den Super-GAU

Foto: AP/ Kyodo News

Tokio - Die im Katastrophen-AKW Fukushima eingesetzten Wasserwerfer haben mit ihrem Einsatz begonnen, wie der staatliche Fernsehsender NHK am Donnerstagabend (Ortszeit) berichtete. Die Fahrzeuge näherten sich den Reaktoren so weit wie möglich und spritzten Wasser in den überhitzten Reaktor 3.

Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa sagte, elf Löschflugzeuge des Militärs sollten über dem Reaktor eingesetzt werden. Außerdem seien weitere Wasserwerfer auf dem Weg. Zuvor hatten Hubschrauber 30 Tonnen Wasser über dem Ort der Katastrophe ausgeschüttet, wo Brennstäbe teilweise freiliegen - die Strahlung hatte sich dadurch aber nicht verändert.

Große Hoffnungen richten sich jetzt auf neue Stromleitungen. "Der nächste wichtige Schritt ist, die Stromversorgung wiederherzustellen", sagte Hidehiko Nishiyama von der staatlichen Atombehörde der Agentur Kyodo. Es war geplant, die Arbeiten am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) zu starten.

Zum einen planen die Techniker neue Außenkabel zu den havarierten Reaktoren 1 und 2: So soll die defekte Kühlung der Anlagen wieder in Betrieb gesetzt werden. Außerdem soll bald ein provisorisches Stromaggregat in Betrieb gehen - und zwar auf einem Teil des AKW-Geländes, wo die Strahlenbelastung nicht so hoch ist.

Als Folge des Bebens vom Freitag waren die Stromversorgung und die Kühlungen der Reaktorblöcke ausgefallen. Außerdem ist es nach diversen Wasserstoff-Explosionen und Bränden nicht mehr möglich, die Wasserstände in den Becken der Reaktoren 1 bis 4 zu kontrollieren. Die Reaktoren 1, und die stillgelegten Blöcke 5 und 6 seien relativ stabil, erklärte die Atomaufsicht

Zahl der Toten und Vermissten steigt auf fast 15.000 Menschen

Bisherige Versuche, den japanischen Reaktoren zu kühlen, schlugen fehl. Sollten die jüngsten Bemühungen nicht zum Erfolg führen, "werden wir in ein paar Tagen einen kritischen Punkt erreichen", sagte ein Vertreter der japanischen Atombehörde. Priorität habe der schwerbeschädigte Reaktorblock 3. Hier gehört Plutonium zum Kernbrennstoff.

Die Zahl der Toten und Vermissten ist sechs Tage nach der Katastrophe auf 14.650 angestiegen. Bislang seien 5321 Todesopfer bestätigt worden, teilte die Polizei am Donnerstag mit. 9329 Menschen würden noch vermisst. Außerdem seien bei der Katastrophe am Freitag vergangener Woche knapp 2400 Menschen verletzt worden. Wenige Stunden zuvor hatte die Polizei noch von fast 5200 Toten und gut 8600 Vermissten gesprochen.

Medienberichten zufolge dürfte die Opferbilanz noch deutlich steigen. Am Mittwoch hatte der Bürgermeister der Küstenstadt Ishinomaki in der am stärksten betroffenen Präfektur Miyagi gesagt, die Zahl der Vermissten dort liege wahrscheinlich bei mehr als 10.000, wie Kyodo berichtete. Bereits am Samstag hatte der Sender NHK berichtet, allein in der Hafenstadt Minamisanriku in derselben Präfektur würden rund 10.000 Menschen vermisst.

Japanische Geldautomaten ausgefallen

Unterdessen hat ein landesweiter Geldautomatenausfall bei der Großbank Mizuho die Verunsicherung in der Bevölkerung wachsen lassen. Die Probleme an den rund 5600 Geräten seien aufgetreten, als es in einigen der mehr als 400 Filialen zu einer Ballung an Abhebungen gekommen sei, teilte das zweitgrößte japanische Geldhaus am Donnerstag mit. Auch das Onlinebanking sei zwei Mal ausgefallen. Der Grund für die Fehlfunktionen am Morgan und am Abend sei unklar. Mit den Stromausfällen in dieser Woche oder anderen Folgen des Erdbebens am Freitag habe dies aber wohl nichts zu tun.

Zu den Problemen kam es, nachdem am Montag und Dienstag Transaktionen im Umfang von 7,3 Milliarden Dollar nicht ausgeführt werden konnten. Nach dem Jahrhundertbeben und dem Tsunami haben sich viele Japaner im Großraum Tokio aus Furcht vor einer Verschärfung der Atomkatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima in den vergangenen Tagen mit Hamsterkäufen eingedeckt. Zudem droht der Metropole mit ihren 35 Millionen Einwohnern nach Einschätzung der Regierung ein großflächiger Stromausfall.

Bei Mizuho traten bereits in der Vergangenheit öfter technische Probleme auf. So hatte eine Computerpanne schon im Jahr 2002 das Geldautomaten-Netz der Bank lahmgelegt.

mg/dpa/afp/rtr
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