Libyen Gaddafis Truppen gewinnen die Oberhand

Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit, die vor allem auf Japan blickt, vollzieht sich im Konflikt in Libyen offenbar eine dramatische Wende. Die Truppen von Diktator Muammar al-Gaddafi verzeichnen mehr und mehr Gebietsgewinne - und die internationale Gemeinschaft schaut unschlüssig zu.  
Schweres Geschütz: Ein libyscher Rebell steuert seinen Panzer gegen die Truppen des Diktators

Schweres Geschütz: Ein libyscher Rebell steuert seinen Panzer gegen die Truppen des Diktators

Foto: PATRICK BAZ/ AFP

Hamburg - Die Aufständischen in Libyen haben der Militärmacht von Staatschef Muammar al-Gaddafi immer weniger entgegenzusetzen. Nach den jüngsten Gebietsgewinnen im Osten gehen die Truppen des Regimes nun gegen die zuvor von ihnen eingekesselten Städte im Westen des Landes vor. Ein Augenzeuge sagte dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira am Dienstag, die Aufständischen hätten innerhalb weniger Stunden die Kontrolle über die Kleinstadt Suwara nahe der tunesischen Grenze verloren. Unter Beschuss liegt Misurata, eine andere Stadt im Westen.

Mehrere Rebellenkommandeure hatten am Montag angedeutet, dass sie ein Blutbad befürchten, falls sich die internationale Gemeinschaft nicht zur Einrichtung einer Flugverbotszone durchringen sollte. Ein Amnestieangebot der Führung für "reuige" Rebellen, die ihre Waffen abgeben, machte auf die Aufständischen nicht viel Eindruck. Ein Sprecher der Rebellen in Misurata sagte, Gaddafi habe inzwischen so viel Angst vor Verrat in den eigenen Reihen, dass er sich nur noch auf seine Söhne verlasse.

Die internationale Gemeinschaft ist sich indes über das Vorgehen gegen den Diktator weiterhin nicht einig. Bei einem Treffen der Außenminister aus sieben Industrienationen und Russland (G8) wurden am Montagabend in Paris abermals Differenzen über die Einrichtung einer Flugverbotszone deutlich. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach anschließend von weiterem "Gesprächsbedarf".

Die Außenminister vereinbarten weitere Beratungen im UN-Sicherheitsrat. Dabei soll es nach Westerwelles Worten auch um "gezielte politische Sanktionen gehen", was Deutschland will. Die Bundesregierung sei jedoch immer noch "außerordentlich skeptisch" in Bezug auf ein militärisches Eingreifen. "Ich will nicht, dass Deutschland in Nordafrika dauerhaft in einen Krieg hineingezogen wird", sagte der FDP-Vorsitzende.

Im Kreis der G8-Gruppe treten vor allem Frankreich und Großbritannien für eine militärische Option ein. Andere Mitgliedsländer wie die beiden Sicherheitsrats-Vetomächte USA und Russland oder auch Deutschland äußern sich deutlich zurückhaltender. Westerwelle sagte nach einem gemeinsamen Abendessen der Außenminister, bei dem die Entwicklung in Libyen wichtigstes Thema war: "Ich bin da in bester Gesellschaft gewesen."

cr/dpa-afx
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