Strompreisschub Merkel schaltet sieben Atommeiler ab

Es ist ein brisanter Einschnitt in den Energiemarkt: Alle sieben bis Ende 1980 in Betrieb genommenen deutschen Atomkraftwerke sollen vorübergehend abgeschaltet werden. Die Preise für manche Stromlieferungen hierzulande schnellen prompt in die Höhe.
Scharfe Reaktion: Stilllegungsbeschluss für sieben ältere deutsche Atomkraftwerke

Scharfe Reaktion: Stilllegungsbeschluss für sieben ältere deutsche Atomkraftwerke

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS

Berlin - Während des von der Regierung verkündeten Laufzeit-Moratoriums werden sieben Atomkraftwerke in Deutschland vorübergehend stillgelegt. Es handelt sich dabei um die Meiler, die vor 1980 ans Netz gegangen sind. Zudem bleibt das 1983 ans Netz gegangene und nach Pannen abgeschaltete AKW Krümmel in Schleswig-Holstein vom Netz getrennt.

Dies sagte Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel am Dienstag nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder, in denen Kernkraftwerke betrieben werden. Betroffen sind die Atommeiler Biblis A und B, Neckarwestheim I, Brunsbüttel, Isar I sowie Unterweser und Philippsburg I. Damit werden in Deutschland in den nächsten drei Monaten nur noch neun Atomkraftwerke Strom liefern. Bundesumweltminister Norbert Röttgen, der an dem Treffen ebenfalls teilnahm, sagte gar, er gehe davon aus, dass ein während des dreimonatigen Moratoriums abgeschalteter Atommeiler gar nicht wieder ans Netz gehe.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wies darauf hin, dass dennoch hierzulande nicht die Lichter ausgehen werden. Diese Maßnahmen würden sich allerdings auf die Energiepreise hierzulande auswirken - und das lässt sich bereits jetzt an den Strommärkten ablesen.

Noch während der Ankündigung der vorübergehenden Teilstilllegung des deutschen Atomkraftwerksparks schossen die Preise für künftige Stromlieferungen in Deutschland in die Höhe. Die sogenannten Forwardpreise erhöhten sich so merklich, dass Händler die Ausschläge ihrer Preiskurven schlicht nicht mehr ignorieren konnten. Schon seit vergangenem Freitag sind die Preise für diese Kontrakte um etwa 10 Prozent in die Höhe geschossen; manager magazin wird darüber und die Folgen für Deutschlands Konjunktur heute noch ausführlicher berichten.

Am Montag hatte Merkel verkündet, die erst Ende 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung werde für drei Monate ausgesetzt. Bis zum 15. Juni sollen nun alle Sicherheitsfragen beantwortet werden, teilte die Kanzlerin nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Atomkraftwerken mit. An dem Treffen nahm auch der Bundesminister für Umwelt und Wirtschaft, Norbert Röttgen teil.

kst/rtr/dpa-afx/afp
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