Freitag, 6. Dezember 2019

Revolte in Nahost Saudi-Arabien schickt Truppen nach Bahrain

Proteste in Bahrain: Jetzt stärkt der Golf-Kooperationsrat dem König den Rücken

Die saudische Regierung hat Truppen in das Königreich Bahrain geschickt. Die Spezialeinheiten sollen dort strategisch wichtige Gebäude vor schiitischen Demonstranten schützen, die gegen die sunnitische Regierung protestieren. Der Ölpreis zieht wieder an.

Riad/Kairo - Saudi-Arabien und andere Golfstaaten eilen dem von einem Schiiten-Aufstand bedrängten Herrscher von Bahrain zur Hilfe. Etwa 1000 saudiarabische Soldaten seien im Nachbarland im Einsatz, sagte am Montag ein Regierungs-Berater in Riad. Die Soldaten gehörten zu einer Truppe des Golf-Kooperationsrats, die Regierungseinrichtungen beschützen solle. Die Regierung im Manama bat die Nachbarländer um Eingreifen, nachdem Angehörige der schiitischen Mehrheit Polizeiabsperrungen überwunden und Straßensperren errichtet hatten.

Die Verbände sollten eingeflogen sowie über eine Landverbindung nach Bahrain geschickt werden, um strategisch wichtige Gebäude zu schützen. Zum Golf-Kooperationsrat gehören Bahrain, Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Die Opposition warnte, der Einsatz der ausländischen Soldaten komme einer Kriegserklärung und einer Besetzung gleich. Die bahrainische Königsfamilie gehört der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam an. Die Opposition traf sich trotz ihrer Warnungen vor einem Eingreifen der Nachbarländer mit dem Kronprinzen. Dabei sei es um Möglichkeiten für einen Dialog zur Beilegung der innenpolitischen Krise gegangen.

Ölpreis macht frühe Verluste wieder wett

"Streitkräfte des Golfkooperationsrats sind bereits in Bahrain angekommen, um für Sicherheit und Ordnung zu sorgen", teilte der Regierungsberater und frühere Informationsminister Nabil Al-Hamer in der Nacht mit. Die regierungsnahe Tageszeitung "Gulf Daily News" berichtete, die ausländischen Soldaten sollten wichtige Teile der Infrastruktur sichern und die Energie- und Trinkwasserversorgung gewährleisten. Sie sollen aber auch Gebäude der Finanzbranche schützen.

In Bahrains Hauptstadt Manama hatten sich die Proteste am Wochenende verschärft: Bei Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten kam es am Sonntag zu einer der gewaltsamsten Konfrontationen seit dem Tod von sieben Demonstranten Ende Februar. In der Nähe des Perlenplatzes errichteten Jugendliche auf einer zum Finanzviertel führenden Hauptstraße Barrikaden. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, zog sich später aber zurück.

Nach Berichten über den Einmarsch saudi-arabischer Truppen in Bahrain hat der Ölpreis am Montagnachmittag seine Verluste eingegrenzt. Ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 113,71 Dollar wieder fast so viel wie am Freitag, während US-Leichtöl der Sorte WTI wieder über 100 Dollar stieg und mit 100,55 Dollar nur noch 0,6 Prozent im Minus notierte. Am Morgen hatten die Preise für beide Sorten wegen der Katastrophe in Japan noch bis zu 2,7 Prozent nachgegeben.

mh/rtr/dapd

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung