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Japan: Hohe Tsunami-Welle trifft die Küste

Foto: AFP/ CCTV

Nach Erdbeben Tsunami in Japan fordert hunderte Tote

Nach dem schweren Beben und dem anschließenden Tsunami in Japan steigt die Zahl der Opfer weiter in die Höhe. In der nordostjapanischen Küstenstadt Sendai hat die Polizei 200 bis 300 Leichen entdeckt. Weitere 88 Todesopfer seien bestätigt worden, 349 Menschen wurden vermisst.

Tokio - Angesichts des Ausmaßes der Naturkatastrophe galt als sicher, dass die Zahl der Toten noch steigen würde. Von dem Beben der Stärke 8,9 wurde ein sieben Meter hoher Tsunami ausgelöst. Mehr als 50 Nachbeben folgten, viele davon stärker als 6,0. Die Ostküste der Hauptinsel Honshu wurde überspült. Boote wurden gegen die Küste geschleudert und Autos ins Meer gespült.

Das Epizentrum des Bebens, das sich gegen 14.45 Uhr Ortszeit (06.45 Uhr MEZ) ereignete, lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio. Experten vergleichen die Katastrophe auch mit dem schweren Tsunami in Südostasien von 2004.

Angst vor einer Kernschmelze

Auch die Angst vor einer atomaren Kernschmelze geht um: In einem Turbinengebäude des Atomkraftwerks Onagawa in der Provinz Miyagi brach nach dem Versagen des Kühlsystems ein Feuer aus, es wurde der Notstand ausgerufen. Zu einem Austritt von Radioaktivität kam es nicht, wie der japanische Kabinettssekretär Yukio Edano mitteilte.

Die Atomanlage in Fukushima war nach dem verheerenden Erdbeben am Freitag geschlossen worden. Die Ausrufung des Notstand sei eine Vorsichtsmaßnahme, sagte Edano. Die Anlage sei nicht in unmittelbarer Gefahr. Dennoch muss die Anlage weiter heruntergekühlt werden.

Das Fernsehen zeigte Bilder furchtbarer Verwüstungen in dem asiatischen Land. Japan ist die drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, weshalb das Beben auch Auswirkungen auf die Aktienmärkte hatte. Erdbeben sind in dem Land keine Seltenheit, ein solch schweres Beben gab es nach Einschätzung von Erdbebenforschern aber bisher noch nicht.

Tsunami-'Warnung für Hawaii

Aus der Provinz Iwate waren bei dem Sender NHK Straßenzüge mit eingestürzten Häusern zu sehen. An der Küste trieben Flutwellen Trümmer und zerstörte Häuser vor sich her. In der Hauptstadt Tokio waren die Telefonnetze stundenlang überlastet, Menschen konnten ihre Angehörigen nicht erreichen. Auf den Straßen bildeten sich Kilometer lange Staus, an den Bahnhöfen strandeten massenweise Pendler. Viele Bürger trugen Helme aus Angst vor herabstürzenden Gegenständen.

Die gewaltige Flutwelle - mancherorts bis zu zehn Meter hoch - überspülte die Ostküste der Hauptinsel Honshu. Boote wurden gegen die Küste geschleudert und Autos ins Meer gespült. Zahllose Bewohner der Küstenregionen und betroffenen Städte wurden verletzt und flüchteten vor dem Tsunami.

"Wir erwarten, dass viele Menschen getötet worden sind", sagte der Seismologe Kevin McCue von der Central Queensland University im australischen Canberra, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

In zahlreichen anderen Pazifik-Ländern rüsten sich die Menschen für die Tsunamiwelle und brachten sich in Sicherheit: Auf der US-Pazifikinsel Hawaii wurde eine Tsunami-Warnung ausgelöst. Dort könnte eine Flutwelle frühestens um 02.59 Uhr Ortszeit (13.59 Uhr MEZ) eintreffen, wie der US-Fernsehsender Khon TV berichtete.

Tsunami-Warnungen für weite Teile des Pazifiks

Die Behörden an der Westküste der USA warnten die Bewohner vor einer Flutwelle, die in etwa sechs Stunden eintreffen könnte. In Neah Bay im US-Staat Washington wird die Welle um 7.18 Uhr Ortszeit (16.18 Uhr MEZ) erwartet. Allerdings sei die erste Welle nicht unbedingt die stärkste, erklärte das Tsunami-Warnzentrum für die Westküste und Alaska. Auch auf Indonesien, den Philippinen und an der russischen Pazifikküste wurden Tsunami-Warnungen ausgerufen.

In Japan stand das Leben still: Die Dienste der Shinkansen-Schnellzüge in Japan wurden für den ganzen Freitag ausgesetzt, berichtete die Agentur Kyodo. Aus Kesennuma in der schwer betroffenen Präfektur Miyagi im Nordosten Japans wurde ein großes Feuer berichtet.

In Tokio, 400 Kilometer südwestlich des Epizentrums gelegen, brachen an zahlreichen Stellen im Stadtzentrum Brände aus. Für mehr als vier Millionen Haushalte brach die Stromversorgung zusammen, wie die Versorgungsgesellschaft mitteilte. Mehrere Flughafen in der Region wurden geschlossen und evakuiert. Auch die U-Bahn von Tokio wurde eingestellt.

Der Tsunami schwappte auch in die Stadt Natori in der nordostjapanischen Präfektur Tochigi. In Autos und Häusern seien Menschen weggeschwemmt worden, berichtete der Sender NHK. Die örtlichen Behörden seien nicht in der Lage, den Menschen zur Hilfe zu kommen. Die Katastrophe sei so schlimm, dass selbst örtliche Rettungsdienste zusammengebrochen seien.

Hafenstadt Sendai schwer getroffen

Eine zehn Meter hohe Flutwelle traf die Küste rund um die Hafenstadt Sendai, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Der Hafen von Sendai wurde ebenso überflutet wie Fischerdörfer der Umgebung. In Aufnahmen aus Hubschraubern war zu sehen, wie die Flutwelle Schiffe, Lastwagen, Autos und Trümmer vor sich her in die Stadt Sendai schob. Flüsse traten durch das einströmende Meerwasser über die Ufer. Die Behörden riefen die Küstenbewohner auf, sich in höher gelegene Gebiete oder in obere Stockwerke zu begeben. Es drohten weitere Tsunamis. Auch könne es weitere starke Nachbeben geben.

In Tokio, 400 Kilometer südwestlich des Epizentrums gelegen, brachen an zahlreichen Stellen im Stadtzentrum Brände aus. Für mehr als vier Millionen Haushalte brach die Stromversorgung zusammen, wie die Versorgungsgesellschaft mitteilte. Der Flughafen Narita wurde geschlossen und evakuiert. Auch die U-Bahn von Tokio wurde eingestellt, die Hochgeschwindigkeitszüge (Shinkansen) wurden gestoppt.

Der Leiter des Goethe-Instituts in Tokio, Raimund Wördemann, sagte etwa eine Stunde nach dem ersten Erdstoß während eines Nachbebens: "Wir müssen hier erst einmal die Ruhe bewahren." Es gebe im Gebäude keinen absoluten sicheren Raum. "Es gibt nur eben die Aussage, das Gebäude selbst sei besonders sicher, sodass wir hier mit Helm auf dem Kopf und teilweise unter den Tischen kauernd im Moment noch ausharren."

Das Kabinett kam unter der Leitung von Ministerpräsident Naoto Kan zu einer Krisensitzung zusammen. Das Verteidigungsministerium schickte acht Kampfflugzeuge los; Luftaufnahmen sollen einen ersten Überblick zu den Schäden ermöglichen. Kan sprach von "enormen Schäden".

Die Regierung richtete ein Krisenzentrum unter Führung von Kan ein. 900 Einsatzkräfte der Polizei wurden in den Nordosten von Honshu geschickt. Es werde alles getan, um die Schäden des schweren Erdbebens zu begrenzen, sagte der Ministerpräsident. Bislang gebe es keine Probleme mit den japanischen Atomreaktoren.

Merkel bietet Hilfe an

Die internationale Gemeinschaft hat dem Land ihre Hilfe angeboten. 35 internationale Such- und Rettungsteams seien in Alarmbereitschaft versetzt worden, sagte die Sprecherin des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA), Elisabeth Byrs. Die Einsatzkräfte verfolgten die Situation in Japan und stünden bereit, wenn das Land um Hilfe bitte. OCHA-Experten stünden im ständigen Austausch mit der japanischen Katastrophenschutzbehörde.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem japanischen Regierungschef Naoto Kan in einem Kondolenzschreiben ihr Mitgefühl ausgedrückt. "Seien Sie versichert, dass Deutschland in diesen tragischen Stunden an der Seite Japans steht und zur Hilfe bereit ist", schrieb Merkel am Freitag an ihren japanischen Kollegen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte in Berlin, vorstellbar seien technische Unterstützung bei der Bergung von Opfern sowie Hilfe bei der medizinischen Versorgung. "Wenn gewünscht und wo möglich, werden wir Deutschen helfen."

Auch US-Präsident Barack Obama sprach den Betroffenen des Erdbebens und der Flutwellen sein Mitgefühl aus. "Die USA stehen bereit, um dem japanischen Volk in dieser Zeit der schweren Belastung zu helfen", erklärte er in Washington. Die Freundschaft beider Länder sei "unerschütterlich" und die nun eingetretene "Tragödie" verstärke die Entschlossenheit der USA, Japan beizustehen.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew bot Japan ebenfalls Hilfe an. "Wir stehen natürlich für unsere Nachbarn bereit, um mit den Folgen dieses sehr schweren Erdbebens klarzukommen", sagte Medwedew in im Fernsehen übertragenen Äußerungen. Er wies die russischen Behörden zudem an, alles zu unternehmen, um die Schäden durch einen Tsunami an der Küste der vor Japan liegenden Kurilen-Inseln so gering wie möglich zu halten. Die vier Inseln wurden 1945 von Russland annektiert, allerdings erhebt auch Japan Anspruch auf die Kurilen. In den vergangenen Monaten hatte der Streit erneut für Spannungen zwischen den beiden Ländern gesorgt.

mg/dpa-afx/rtr/dapd
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