Kämpfe in Nordafrika Libyen droht quälender Bürgerkrieg

In Libyen wächst die Angst vor einem langen Bürgerkrieg. Aufständische und Regierungstruppen liefern sich erbitterte Kämpfe, bei denen zuletzt angeblich die Truppen des Diktators Gaddafi Erfolge erzielten. Außenminister Westerwelle fordert schärfere Sanktionen der UN.
Trübe Aussichten: Rebellenkämpfer in der Nähe der umkämpften Stadt Ras Lanuf

Trübe Aussichten: Rebellenkämpfer in der Nähe der umkämpften Stadt Ras Lanuf

Foto: Hussein Malla/ AP

Tripolis - Truppen von Libyens Machthaber Muammar Gaddafi griffen am Sonntag drei von Rebellen gehaltene Städte an. Dabei kamen Panzer, Artillerie, Kampfflugzeuge und Hubschrauber zum Einsatz. Die Kämpfe ereigneten sich in den Städten Sawija und Misrata im Westen des Landes sowie in der Ölhafenstadt Ras Lanuf weiter im Osten. Regierungssprecher berichteten von Erfolgen.

Gaddafi beklagte sich über mangelnde Unterstützung aus dem Ausland. Er kämpfe gegen den Terrorismus, sagte der seit über 40 Jahren herrschende Staatschef. Die EU entsandte eine Delegation nach Tripolis, um sich über die Lage der Bevölkerung zu informieren. Gaddafi-treuen Soldaten gelang es am Sonntag, die Aufständischen aus Bin Dschawad zurückzudrängen. Die Stadt liegt zwischen Ras Lanuf und Gaddafis Heimatstadt Sirte. Soldaten hätten mit Maschinengewehren und Panzerfäusten angegriffen, berichteten Oppositionelle. Einige Rebellen seien von Scharfschützen getroffen worden.

Klinikärzte in Ras Lanuf berichteten von zwei Toten und 22 Verletzten, mehrere davon schwer. Ein französischer Fotograf erlitt eine Schussverletzung am Bein. Rebellen schossen nach eigener Darstellung einen Hubschrauber von Gaddafi-Truppen im Osten des Landes ab. Heftige Kämpfe gab es auch im Westen des Landes.

Westerwelle fordert schärfere Sanktionen

Rebellen sprachen von einem erneuten Angriff von Gaddafi-Truppen auf die Stadt Sawija, die etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt Tripolis entfernt ist. Um die Stadt wird seit Tagen gekämpft. Nach Angaben von Ärzten gab es am Freitag und Samstag viele Tote. Unklar war zunächst die Ursache für schweres Maschinengewehrfeuer in Tripolis. Nach Darstellung der Regierung wurde damit die Rückeroberung mehrerer Städte gefeiert. Ein Regierungssprecher erklärte, die Armee sei dabei, auch die Stadt Benghasi zurückzuerobern.

Der Ort, wo die Proteste gegen Gaddafi ihren Anfang nahmen, war am Sonntag jedoch weiter in der Hand von Rebellen. Im Staatsfernsehen wurde angekündigt, zur Feier von Erfolgen im Kampf gegen Rebellen würden Zölle auf importierte Grundnahrungsmittel sowie Verbrauchs- und Produktionssteuern abgeschafft.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach sich für schärfere Sanktionen gegen Libyen aus. Der UN-Sicherheitsrat müsse sich erneut mit der Lage in Libyen befassen, sagte er der "Welt am Sonntag". So müssten die Geldflüsse unterbunden werden. Die deutsche Marine half bei einer Evakuierungsaktion für Ägypter, die aus Libyen ins Nachbarland Tunesien geflüchtet waren. Nach Angaben der Bundeswehr gingen in der Stadt Gabes 412 Ägypter an Bord von drei Kriegsschiffen. Sie sollen in den kommenden Tagen nach Alexandria gebracht werden.

Aus Kreisen der Aufständischen verlautete, dass mehrere Angehörige von britischen Spezialkräften im Osten des Landes gefangengenommen worden seien. Man habe nicht feststellen können, ob es sich um Freunde oder Feinde gehandelt habe. Die Lage werde bald geklärt sein. Der britische Verteidigungsminister Liam Fox bestätigte nur, dass sich eine kleine diplomatische Gruppe aus Großbritannien in Benghasi aufhalte. Man stehe mit ihnen in Kontakt. Der Zeitung "Sunday Times" zufolge handelt es sich um acht Mitglieder des Special Air Service, die einen britischen Diplomaten begleitet hätten. Oppositionelle seien über den Einsatz verärgert, weil Gaddafi dies als Intervention des Westens darstellen könnte.

von Maria Golovnina und Michael Georgy, reuters
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