Die Wirtschaftsglosse Uni Bayreuth entzieht Gaddafi die Zulassung

Über die Menschen in der arabischen Welt können wir Deutsche doch wirklich nur den Kopf schütteln: Solche brachialen Methoden, ts ts ts. Kann man hierzulande am Ende des Tages nicht gerade die viel elegantere Demontage eines ungeliebten Spitzenmannes verfolgen?
Dr. rer. publ.? Muammar al-Gaddafi steht vor dem Aus

Dr. rer. publ.? Muammar al-Gaddafi steht vor dem Aus

Foto: STR/ REUTERS

Das könnte doch beispielhaft sein: Als erstes bräuchte man das Papier, auf dem des Diktators Macht basiert. Bei Gaddafi würde wohl ein Diplom als Religionspädagoge keinen überraschen (Dipl. Rel.-päd.). Oder ein Bachelor of Fine Arts (B.F.A.). Gut möglich auch, dass der Wüstentyrann einst zum profanen Doktor der Verwaltungswissenschaften promovierte. Dr. rer. publ. Muammar al-Gaddafi - klingt gut und macht enorm was her im Briefkopf.

Die Abschlussarbeit könnte man dann einer eingehenden wissenschaftlichen Prüfung zuleiten. Wohl gemerkt, man könnte. Man muss aber nicht.

Den Amtsenthebungsprozess würde das jedenfalls nicht aufhalten. Der würde von Medien und Opposition parallel vorangetrieben, und zwar zügig. Selbst wenn Gaddafis Werk, schätzen wir vorsichtig, 3725 Seiten umfasste - für echte Topjournalisten und -politiker wäre das kein Problem. Zwei Stunden, vielleicht zweieinhalb, und die ersten wüssten Bescheid.

Da hätte eine andere, noch viel wichtigere Instanz allerdings ihr Urteil längst gefällt: die so genannte Internetgemeinde, versammelt auf dem rasch installierten Wiki Gadaplag. Dessen Ergebnis, nach nur 37 Minuten: niederschmetternd. Alles abgekupfert, bei Hitler, Stalin, Berlusconi. Das Vorwort stammt wortgleich aus einer Bedienungsanleitung des russischen Sturmgewehrs AK 47 ("Kalaschnikow"). Und noch schlimmer: Chuck Norris twittert, Gaddafi habe seitenweise aus dem Drehbuch zu "Delta Force 2" abgeschrieben. Und zwar ohne Quellenverweis!

Sollte ein dermaßen kompromittierter Revolutionsführer noch immer nicht einlenken, käme es zur klärenden Anhörung, zum Beispiel vor der Uno-Vollversammlung. Das brächte zwar kaum neue Erkenntnisse. Sähe im Fernsehen aber toll aus.

Fragen könnte dort zum Beispiel die Bundesregierung: "Herr Gaddafi, Hand aufs Herz, haben Sie diese ganze Arbeit wirklich ganz allein geschrieben?" Oder der honorige Mahmud Ahmadinedschad, Präsident der Islamischen Republik Iran: "Sie können vielleicht Ihr Volk für dumm verkaufen. Aber glauben Sie denn, Sie können auch uns für dumm verkaufen?"

Was aber, wenn der Diktator all diese Fragen, ganz wahrheitsgemäß versteht sich, parieren könnte, zum Beispiel mit: "Ja"? Dann wäre wohl die Ultima Ratio fällig: Die Uni Bayreuth müsste Gaddafi die Zulassung entziehen. Der wäre dann zwar immer noch nicht weg. Aber, hey, wer würde ihm in der Weltpolitik je wieder ein Wort glauben? (Silvio Berlusconi zählt nicht)

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