Samstag, 30. Mai 2020

EZB-Chef Trichet warnt vor Lohnerhöhungen

Mahnung: Bloß keine Lohnerhöhungen, sagt Jean-Claude Trichet, EZB-Präsident

Lohnerhöhungen in der Eurozone seien "das Dümmste, was man machen könnte", sagte der EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Die Gewerkschaften in Deutschland werden das nicht gern hören - sie verhandeln derzeit in verschiedenen Branchen genau das. 

Paris - EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat angesichts des wachsenden Inflationsdrucks in der Eurozone vor Lohnerhöhungen gewarnt. "Das wäre das Dümmste, was man machen könnte", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Sonntag dem französischen Radiosender Europe 1.

Die EZB könne derzeit nichts gegen die steigenden Treibstoff- und Rohstoffpreise ausrichten. Die Währungshüter müssten jedoch alles unternehmen, um sogenannte Zweitrundeneffekte zu verhindern. Darunter versteht man weitere Preiserhöhungen als Folge vorangegangener Kostensteigerungen. Solche Wirkungen treten auf, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften auf die gestiegene Inflation reagieren und deswegen höhere Löhne vereinbaren.

In Deutschland hatten sich erst kürzlich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle für kräftigere Gehaltserhöhungen 2011 nach den bescheidenen Zuwächsen in den vergangenen Jahren während der Rezession ausgesprochen. Verhandelt werden Lohnerhöhungen zum Beispiel bei der Deutschen Telekom, der jetzt Warnstreiks drohen. Die Gewerkschaft Verdi kündigte an, dass bundesweit 6000 Telekom-Beschäftigte zum Warnstreik aufgerufen seien. Auswirkungen könne dies unter anderem auf den Störungsdienst und die Kundencenter haben, erklärte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder am Sonntag in Berlin. In der zurückliegenden Woche haben sich seinen Angaben nach mehr als 12.000 Beschäftigte an Warnstreiks und Protesten beteiligt. Verdi fordert im Kern für die mehr als 100.000 Telekom-Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Gehalt und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Die Telekom bietet bislang 2,17 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten an und will unter anderem Zugeständnisse bei Auszubildenden und Altersteilzeit machen. Die Nächste Verhandlungsrunde ist am 8. und 9. März.

Die Inflation in der Eurozone beträgt derzeit 2,4 Prozent, womit sie über der EZB-Zielmarke von zwei Prozent liegt. EZB-Ratsmitglied Christian Noyer hatte beim G20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs am Samstag in Paris nur begrenzte Lohnerhöhungen gefordert.

manager magazin mit Material von Nachrichtenagenturen/AG

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