Ägypten Demonstranten verharren, Opposition diskutiert

Trotz Räumungsversuchen des Militärs halten die Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz in Kairo am Montag an. Die Opposition hatte am Vortag Verhandlungen mit Vizepräsident Omar Suleiman aufgenommen, auch die Muslimbruderschaft beteiligte sich an den Gesprächen.
Proteste in Kairo: Das Militär versuchte am Sonntagabend, die Demonstranten vom Tahrir-Platz zu vertreiben

Proteste in Kairo: Das Militär versuchte am Sonntagabend, die Demonstranten vom Tahrir-Platz zu vertreiben

Foto: Felipe Trueba/ dpa

Kairo - Das ägyptische Militär hat in der Nacht zu Montag versucht, den Tahrir-Platz in Kairo zu räumen. Nach Sonnenuntergang schossen die Soldaten in die Luft, um die Menschenmenge zu vertreiben. Als die Demonstranten nicht wichen, gaben die Truppen das Vorhaben allerdings auf.

Vizepräsident Omar Suleiman hatte am Vortag mit der Opposition verhandelt, darunter erstmals auch mit der bislang verbotenen Muslimbruderschaft. Die Opposition beharrte weiter darauf, dass Mubarak die Macht rasch abgibt und nicht bis zu der im September geplanten Präsidentschaftswahl im Amt bleibt.

Bei den Gesprächen wurde nach Angaben von Oppositionsvertretern Einigung darüber erzielt, dass die jüngsten Versprechen Mubaraks umgesetzt werden sollten. Dazu zählten eine Verfassungsänderung, mehr Pressefreiheit und ein Ende des Ausnahmezustands - sobald dies die Sicherheitslage zulasse. Zudem solle die Jugend eine größere Rolle in der Politik bekommen und Korruption bekämpft werden.

Die Muslimbruderschaft zeigte sich nach dem Treffen dennoch enttäuscht. Die Regierung sei auf die meisten Forderungen nicht eingegangen. Man könne bislang nicht von Verhandlungen sprechen, erklärte einer ihrer Vertreter im TV-Sender Al-Dschasira. Am Montag wolle man über das weitere Vorgehen beraten.

Suzuki nimmt Produktion in Kairo wieder auf

US-Präsident Barack Obama äußerte sich zuversichtlich, dass sich auch die künftige Regierung Ägyptens als guter Partner der USA erweisen werde. Voraussetzung sei ein "geordneteter" Übergangsprozess, sagte Obama am Sonntagabend in einem Interview des US-Senders Fox. Fest stehe: "Ägypten wird nicht zu dem zurückkehren, was es war."

Auf die Frage nach der Rolle der Muslimbruderschaft in einer künftigen Regierung äußerte sich der Präsident zurückhaltend. Die Islamistenbewegung sei gut organisiert, räumte Obama ein, aber sie sei nur eine Gruppe im Land. Er warnte davor, zu sagen, "dass unsere einzigen beiden Optionen die Muslimbruderschaft und die Unterdrückung des ägyptischen Volkes sind".

Nach dem Abflauen der schweren Unruhen nimmt der japanische Autohersteller Suzuki wieder seine Produktion auf. Konkurrent Nissan ließ sein Werk in Gizeh südlich der Hauptstadt Kairo dagegen weiter geschlossen. Nissan produziert in Ägypten im Jahr rund 10.000 Lieferwagen und Autos mit Vierradantrieb. Die Bänder stehen laut Unternehmen seit einer Woche still. Marktführer Toyota plant ein neues Werk in Ägypten und will dort ab 2012 rund 3000 Autos jährlich produzieren.

In Ägypten produzieren auch zahlreiche deutsche Unternehmen, etwa Daimler, BASF und Siemens. Wegen relativ niedriger Löhne und seiner Nähe zum europäischen Markt stellen viele ausländische Unternehmen Produkte in Ägypten her.

mg/dpa/rtr
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