Italien Gewalt-Proteste nach Berlusconi-Sieg

Zehntausende Regierungskritiker demonstrierten in Italien nach der gewonnenen Vertrauensfrage dagegen, das Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Amt bleibt. In Rom bewarfen Demonstranten die Gebäude der Parlamentskammern mit Farbbeuteln und Feuerwerkskörpern.
Rom: Demonstrationen gegen Berlusconi

Rom: Demonstrationen gegen Berlusconi

Foto: FILIPPO MONTEFORTE/ AFP

Rom - Nach den Vertrauensvoten des italienischen Parlaments für Ministerpräsident Silvio Berlusconi haben landesweit zehntausende Regierungskritiker teils gewalttätig gegen das Abstimmungsergebnis protestiert. Nach Angaben von Organisatoren der Demonstrationen gingen am Dienstag allein in Rom rund 100.000 Menschen auf die Straße. Sie bewarfen mit Farbbeuteln und Feuerwerkskörpern auf die Gebäude der beiden Parlamentskammern, Abgeordnetenhaus und Senat, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Im Zentrum der Hauptstadt setzten sie außerdem ein Polizeifahrzeug in Brand. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein.

Um Haaresbreite ist der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi dem politischen Absturz entgangen. Bei einem doppelten Misstrauensvotum gegen den Regierungschef ging es am Dienstag in Rom heiß her: Im Inneren des Parlaments kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen den Abgeordneten. Vor dem Gebäude flogen Feuerwerkskörper, Eier und Farbbeutel. Am Ende hielt der von Skandalen geschwächte Regierungschef stand.

Von einem "Pyrrhus-Sieg", einem teuer erkauften Erfolg, sprach der Oppositionspolitiker Pierluigi Bersani. In der Tat wird trotz des Sieges das Regieren für Berlusconi nicht leichter. Denn im Parlament verfügt er nur noch über eine sehr knappe Mehrheit, seit ihm sein ehemaliger Verbündeter Gianfranco Fini zum bittersten Rivalen wurde.

Der Senat sprach Berlusconi am Vormittag noch relativ deutlich das Vertrauen aus. Mit 162 zu 135 Stimmen überstand der 74-Jährige die erste Runde souverän. Die folgende Abstimmung in der Abgeordnetenkammer musste wegen eines Handgemenges zwischen den Parlamentariern zwischenzeitlich unterbrochen werden.

Zu den Auseinandersetzungen war es gekommen, nachdem sich die zur Fraktion Finis gehörende Abgeordnete Katia Polidori für Berlusconi aussprach und damit gegen den Willen ihrer Partei handelte. Zuvor waren drei hochschwangere Mitglieder der Opposition überraschend erschienen, um gegen Berlusconi zu stimmen - eine von ihnen ließ sich von einem Krankenwagen bringen, eine andere kam im Rollstuhl.

Die Stimmabgaben der bis zuletzt unentschlossenen Abgeordneten wurden zum Teil lautstark kommentiert - jeweils mit Jubel von der einen und Buhrufen von der anderen Seite. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von nur drei Stimmen ging der Ministerpräsident am frühen Nachmittag schließlich auch aus der zweiten Runde als Sieger hervor.

Proteste im ganzen Land

Vor dem Parlament warfen Demonstranten schon während der Abstimmung Feuerwerkskörper, Eier und Farbbeutel auf Polizisten. Im ganzen Land kam es zu Protesten. In Rom zogen Studenten durch die Stadt, zerstörten Bankautomaten und setzten mindestens drei Fahrzeuge in Brand. Die Polizei reagierte mit Tränengas. In Palermo wurden der Bahnhof und der Flughafen blockiert. Auch in Turin gingen in der Innenstadt Tausende auf die Straße.

In den vergangenen Monaten machte der begnadete Selbstdarsteller Berlusconi weniger mit politischen Initiativen Schlagzeilen, sondern vielmehr mit jugendlichen Geliebten und wilden Partys. Ein Zerwürfnis mit seinem ehemaligen Vertrauten Fini kostete ihm im Sommer die Mehrheit im Parlament. Fini forderte Berlusconi zum Rücktritt auf und zog ihm nahestehende Minister aus der Regierung ab. Einige Abgeordnete aus Finis Fraktion unterstützten die Regierung jedoch weiterhin.

Alessandra Rizzo, AP
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.