Verlassene Heimat Akuter Azubi-Mangel im Osten

Ostdeutschland ist als Ausbildungsort unter Nachwuchskräften wenig beliebt. Nach Verbandsangaben wurden dort zuletzt fast 9 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Deutlich mehr junge Menschen interessieren sich für einen Job im Westen.

Hamburg - Wirtschaftsverbände befürchten einen akuten Mangel an Auszubildenden im Osten Deutschlands. Nach Informationen der "Passauer Neuen Presse" wurde bei den Industrie- und Handelskammern zwar deutschlandweit bis Ende November die vergleichsweise hohe Zahl von 332.000 Ausbildungsverträgen registriert, die auch schon im Vorjahr abgeschlossen worden sind. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich ein wachsendes Gefälle zwischen West- und Ostdeutschland.

Während im Osten zuletzt 8,9 Prozent weniger Ausbildungsverträge in der Industrie neu abgeschlossen worden sind, nahm diese Zahl im Westen der Bundesrepublik um 2 Prozent zu. Beim Handwerk sei die Zahl der neuen Lehrverträge in Westdeutschland leicht angestiegen, im Osten hingegen um 8,2 Prozent zurückgegangen, hieß es beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Je nach Region werde es für Kanzleien, Praxen und Apotheken immer schwieriger, geeignete Bewerber zu finden.

Weil im laufenden Jahr bei konstant hohen 332.000 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen 24.000 Jugendliche weniger die Schulen verlassen haben als ein Jahr zuvor, sind die Chancen für viele Jugendliche auf einen Ausbildungsplatz derzeit so gut, wie lange nicht mehr. Jugendliche mit guten Abschlussnoten hätten in diesem Jahr "buchstäblich freie Wahl" gehabt, sagte Hans Heinrich Driftmann am Donnerstag, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags.

Auch die Chancen in der Nachvermittlung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeinsam mit der Wirtschaft für Jugendliche ohne Lehrstelle seien außergewöhnlich gut, erklärte Driftmann. Im bundesweiten Durschnitt habe es pro nicht vermitteltem Schulabgänger in diesem Jahr in der Nachvermittlung 3,3 freie betriebliche Ausbildungsplätze gegeben - so viele wie noch nie. 2006 habe diese Quote noch bei 0,8 gelegen. In einzelnen Regionen wie etwa Teilen Bayerns kämen sogar bis zu 60 Ausbildungsplätze auf einen Jugendlichen in der Nachvermittlung.

Dennoch ließen viele Jugendliche die Nachvermittlungsangebote ungenutzt, erklärte Driftmann. 43 Prozent der Bewerber ohne Ausbildungsplatz hätten sich trotz Einladung nicht bei der Nachvermittlung gemeldet. Elf Prozent hätten sich mit Entschuldigung abgemeldet. Damit seien nur 46 Prozent der Jugendlichen zur Nachvermittlung gekommen - so wenige wie nie.

In einzelnen Regionen wie etwa Frankfurt am Main, Karlsruhe oder Freiburg im Breisgau gebe es schon keine Nachvermittlung mehr, weil es schlicht an Bewerbern fehle. Die schwache Beteiligung an der Nachvermittlung bedeute für die Wirtschaft, dass sie zumindest einen Teil ihrer Ausbildungsplätze in diesem Jahr nicht besetzen könnten, erklärte DIHK-Chef Driftmann.

kst/dpa/afp
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