Nach Hacker-Angriff Paypal gibt Wikileaks-Spenden frei

Der Internet-Bezahldienst Paypal hat nach den Angriffen von Wikileaks-Anhänger die eingefrorenen Spenden wieder freigegeben. Zuvor hatten Hacker die Internetseiten von Visa und Mastercard zeitweise lahm gelegt, weil die Firmen ihre Zusammenarbeit mit der Enthüllungsplattform eingestellt hatten.
Etappensieg für Wikileaks: Paypal leitet die Gelder wieder weiter

Etappensieg für Wikileaks: Paypal leitet die Gelder wieder weiter

Foto: PAUL SAKUMA/ AP

New York/Berlin - Paypal-Justiziar John Muller erklärte im Firmenblog: "Wir verstehen, dass die Entscheidung von Paypal zum Gegenstand einer größeren Geschichte geworden ist, bei der es rund um die Aktivitäten von Wikileaks auch um politische und juristische Debatten und um die Meinungsfreiheit geht."

Das Spendenkonto sei allein wegen der Verletzung der Geschäftsbedingungen gesperrt worden. Grundlage sei ein Brief des US-Außenministeriums an Wikileaks, wonach das Internetprojekt im Besitz von Dokumenten sein könnte, die unter Verletzung von US-Gesetzen beschafft worden seien.

Die zu den wichtigsten Spendensammlern von Wikileaks zählende Wau-Holland-Stiftung will nach eigenen Angaben rechtlich gegen die unangekündigte Sperrung ihres Kontos bei Paypal vorgehen. Die Stiftung bezifferte die Höhe der zeitweise eingefrorenen Spenden auf rund 10.000 Euro.

Nach massiven Hackerangriffen auf die Internetpräsenz von Mastercard war in der Nacht zum Donnerstag auch Visa das Ziel von sogenannten DDOS-Angriffen ("Distributed Denial of Service"). Dabei wird ein Webserver mit Unmengen von Daten geflutet und dadurch blockiert. Beide Kreditkartenfirmen hatten angekündigt, keine Zahlungen an die Enthüllungsplattform mehr zuzulassen.

Hacker wollten offenbar Daten von Kreditkartenkunden veröffentlichen

Aktivisten der "Anonymous"-Bewegung, die sich zu den Hackerangriffen bekannte, kündigten die Attacke auf Visa eine Stunde vorher über den Kurzmitteilungsdienst Twitter an. Nach Informationen des Blogs "Redspin", das sich mit Themen der Netzsicherheit beschäftigt, beteiligten sich zeitweise mehr als 1700 Personen an den Angriffen.

Der Internetdienst Twitter sperrte das Profil mit den Mitteilungen von "Anonymous". Eine Begründung dafür nannte der Kurznachrichtendienst zunächst nicht. Wie die britische BBC unter Berufung auf Kreise berichtete, habe die letzte gelistete Kurznachricht vor der Sperrung einen Link auf eine Datei enthalten, die Kundeninformationen von Kreditkartenbesitzern beinhaltet habe

Daraufhin richtete die Gruppe ein neues Profil ein, mit einem Link zum Chat-Dienst IRC - über den dezentral organisierten "Internet Relay Chat" wurde nach Informationen in einschlägigen Blogs auch die Software für die DDOS-Angriffe verbreitet.

In Twitter-Meldungen der Aktivisten wurde zudem auf die Veröffentlichung einer weiteren US-Diplomatendepeschen bei Wikileaks verwiesen. Aus dem Dokument geht hervor, dass sich die US-Botschaft in Moskau Anfang vergangenen Jahres für Mastercard und Visa eingesetzt hatte, als den US-Unternehmen durch ein neues Gesetz in Russland wirtschaftliche Nachteile drohten. In dem Schreiben wurde die Regierung von Präsident Barack Obama aufgefordert, auf die russischen Partner einzuwirken, "den Text des (Gesetz-)Entwurfs zu ändern, um sicherzustellen, das US-Finanzdienstleister nicht darunter leiden."

Auch Schwedische Staatsanwalt steht im Visier der Hacker

Der in Schweden ansässige Online-Zahlungsdienst Flattr teilte am Donnerstag mit, dass er weiter Spenden an Wikileaks überweisen werde. Solange es kein Gericht gebe, das die Aktivitäten von Wikileaks für illegal erkläre, werde man die Spenden der Flattr-Nutzer weiterreichen, sagte Vorstandschef Linus Olsson der Zeitung "Sydsvenskan". Mit Flattr können Internetnutzer auch kleine Beträge an Web-Projekte spenden.

Die Anhänger der Enthüllungsplattform Wikileaks wollen die Unternehmen mit ihrem Angriff dafür bestrafen, dass sie ihre Zusammenarbeit mit Wikileaks eingestellt haben. Auf der Internetplattform sind in den vergangenen Tagen zahlreiche geheime oder vertrauliche US-Dokumente veröffentlicht worden, was vielerorts auf erhebliche Kritik stößt.

Der Gründer der Plattform, Julian Assange, war am Dienstag in London verhaftet worden. Ihm werden in Schweden sexuelle Vergehen vorgeworfen. Er bestreitet die Anschuldigungen und vermutet dahinter einen Komplott der US-Regierung.

Am Mittwoch stand auch die Website der schwedischen Staatsanwaltschaft, von der der Haftbefehl gegen Wikileaks-Gründer Assange stammt, auf diese Weise unter Beschuss. Sie blieb jedoch online.

Bereits am Vortag hatten Hacker und Sympathisanten aus dem Umkreis der "Anonymous"-Bewegung die Webseite des Finanzdienstleisters der Schweizer Post, Postfinance, angegriffen. Das Unternehmen hatte am Montag ein Konto geschlossen, über das bislang Spenden für die Enthüllungsplattform Wikileaks im Internet liefen.

mg/dpa-afx
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