Verbraucherschutz Aigner will Internet-Pranger

Nach Regierungsplänen sollen Verbraucher künftig falsch etikettierte Lebensmittel auf einer offiziellen Internetseite an den Pranger stellen können. Die Branche dagegen warnt, der Vorstoß des Verbraucherschutzministeriums schaffe mehr Verunsicherung als Klarheit.
Irreführung im Supermarkt? Wenn Lebensmittel nicht das sind, was sie vorgeben zu sein, sollen Verbraucher das künftig offen anprangern können.

Irreführung im Supermarkt? Wenn Lebensmittel nicht das sind, was sie vorgeben zu sein, sollen Verbraucher das künftig offen anprangern können.

Foto: A3250 Oliver Berg/ dpa

Berlin - Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) will mit der geplanten Internetplattform gegen irreführende Kennzeichnung von Lebensmitteln vorgehen. "Wir müssen dem Etikettenschwindel Einhalt gebieten", sagte Aigner der "Bild am Sonntag".

Die Verbraucherzentrale Hessen solle dafür im Auftrag des Ministeriums im Frühjahr mit einer entsprechenden Internetseite online gehen. Verbraucher sollen dort Produkte benennen können, die ihrer Meinung nach nicht das enthalten, was Aufmachung oder Angaben versprechen. Verbraucherschützer sollen die Fälle prüfen und kommentieren. Die Unternehmen sollen dazu Stellung nehmen können.

"Ich will den Dialog zwischen Verbrauchern und Wirtschaft ausbauen", sagte die CSU-Politikerin. Industrievertreter zeigten sich skeptisch und warnten in dem Blatt davor, die Plattform schaffe mehr Verunsicherung als Klarheit.

Aigner mahnte die Lebensmittelproduzenten, technische Neuerungen nicht zur Täuschung zu missbrauchen. Klebeschinken oder Analogkäse seien Beispiele dafür. Nach den Plänen ihres Ministeriums sollen auch solche Produkte ins Netz gestellt werden, die zwar nach geltenden Vorschriften gekennzeichnet sind, aber von Käufern als irreführend empfunden werden, so die Zeitung.

Bei den Fällen eindeutiger Täuschung fordert die Ministerin ein strengeres Vorgehen. Hier müssten die Länderbehörden konsequenter einschreiten.

rei/dpa