Bundesbank Schärfere Bankenregeln bremsen Wirtschaft nicht

Die Bundesbank befürchtet keine negativen Auswirkungen der schärferen Bankenregeln ("Basel III") für die Konjunktur. Allerdings hätten die deutschen Banken erheblichen Kapitalbedarf. Der Bankenverband zeigt angesichts verschiedener neuer Lasten für die Finanzhäuser Vorbehalte.
Bundesbankpräsident Axel Weber: Deutsche Banken können Basel III verkraften

Bundesbankpräsident Axel Weber: Deutsche Banken können Basel III verkraften

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ REUTERS

Frankfurt am Main - Zwar brächten die neuen Anforderungen "für deutsche Banken einen Kapitalmehrbedarf in bedeutender Höhe mit sich", bekräftigten die Notenbanker in ihrem Monatsbericht September, der am Montag veröffentlicht wurde. Doch: "Nach Einschätzung der Bundesbank werden die deutschen Institute das jetzt zusätzlich notwendige Kapital zur Erfüllung der Eigenkapitalquoten über einbehaltene Gewinne und gegebenenfalls Kapitalaufnahme aufbringen können, ohne dass es zu einem Verschuldungsabbau zulasten der Realwirtschaft kommt."

Der Bundesverband deutscher Banken mahnte allerdings, mögliche Risiken schärferer Bankenregeln für die Konjunktur genau im Auge zu behalten. Die vereinbarten neuen Eigenkapitalregeln seien "im Kern richtig", sagte der Geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes, Manfred Weber, am Montag in Frankfurt. Dennoch berge die Regelung gewisse Risiken für die Kreditvergabe, gegebenenfalls müsse nachgebessert werden. "Wir sollten ein genaues Monitoring betreiben um wirklich zu sehen, wie es sich wirtschaftlich auswirkt", sagte Weber. Der Verband vertritt die privaten Geschäftsbanken.

Einen SPIEGEL-Bericht, wonach Experten der Bundesbank für die zehn größten deutschen Banken einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 50 Milliarden Euro berechnet haben, wollte die Deutsche Bundesbank in Frankfurt nicht kommentieren. Banken müssen künftig deutlich mehr Eigenkapital für ihre Geschäfte vorhalten.

Die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung der Bundesbank weiterhin im Vorwärtsgang - wenngleich mit niedrigerem Tempo. Die Aufwärtsdynamik habe sich zum Sommeranfang deutlich abgeschwächt, bleibe aber intakt. "Wegen der langsameren Gangart der Weltwirtschaft beruhigte sich die Nachfrage nach Industrieerzeugnissen", erklärte die Bundesbank. Zudem dürfte die Bauwirtschaft ihre witterungsbedingten Produktionsausfälle vom Winter weitgehend aufgearbeitet haben. Im zweiten Quartal 2010 war die deutsche Wirtschaft um 2,2 Prozent zum Vorquartal gewachsen. Das war der höchste Wert sei der Wiedervereinigung.

Die immer noch hohen Exporterwartungen sprechen nach Einschätzung der Bundesbank für einen anhaltenden Aufschwung. Zuversichtlich zeigen sich die Experten zudem für die Entwicklung des privaten Verbrauchs: "Der private Konsum wird sich vor dem Hintergrund der günstigen Arbeitsmarktlage und der recht zuversichtlichen Stimmung der Verbraucher weiter beleben, zumal die privaten Pkw-Käufe zuletzt wieder leicht zugenommen haben."

ak/dpa-afx
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