Boom in Fernost Dickes Plus für Chinas Staatsfirmen

Der Aufschwung in China läuft weiter auf hohen Touren. Die Staatskonzerne des Landes erzielten bis Ende August ein Gewinnplus von 38 Prozent. Staatliche Stellen planen trotz allem derzeit keine weiteren Maßnahmen gegen eine Überhitzung - und Chinas Volkswirte weisen Kritik an der Exportpolitik des Landes zurück.
Weiter auf dem Vormarsch: Die chinesische Wirtschaft ist unaufhaltsam auf dem Weg an die Weltspitze

Weiter auf dem Vormarsch: Die chinesische Wirtschaft ist unaufhaltsam auf dem Weg an die Weltspitze

Foto: China Photos/ Getty Images

Hamburg - Die chinesischen Staatskonzerne haben ihre Gewinne in den ersten acht Monaten des Jahres um fast 38 Prozent gesteigert. Dabei bremste der August den rasanten Aufschwung im ersten Halbjahr deutlich ab, wie das Finanzministerium am Sonntag mitteilte. In den ersten sieben Monaten hatten die Überschüsse um 50 Prozent zugelegt. Im August blieb unterm Strich vor allem bei Konzernen aus der Immobilien-, Auto-, Stahl- und Maschinenbaubranche weniger übrig. Kohle-, Energie- und Ölkonzerne sowie Betriebe der Nicht-Eisen-Metallverarbeitung verdienten mehr. Die Zahlen erfassen alle Firmen, die in der Hand der Zentralregierung oder lokaler Verwaltungen sind. Unternehmen der Finanzbranche sind ausgenommen.

Trotz des rasanten Wachstums plant die chinesische Bankenaufsicht unterdessen derzeit keine weiteren Schritte im Kampf gegen eine Immobilienblase. "Wir haben zurzeit keine Pläne für neue Regulierungsmaßnahmen", zitierte die Zeitung "China Business News" am Samstag den stellvertretenden Vorsitzenden der Bankenkommission, Jiang Dingzhi. Die Behörde konzentriere sich auf eine schärfere Aufsicht über den Immobilienmarkt und eine kontrollierte Kreditvergabe in der Branche. Sorgen über weitere Einschränkungen haben die chinesischen Börsen zuletzt deutlich belastet. Im April hatte die Regierung in Peking unter anderem Kapitalanforderungen für Immobilienkäufer erhöht und zudem den Erwerb von Zweit- oder Dritt-Wohnungen erschwert.

Ein schlechtes Gewissen macht der starke Aufschwung den Chinesen offenbar nicht. So haben einflussreiche chinesische Volkswirte die US-Kritik an der Währungspolitik ihres Landes zurückgewiesen. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama habe China zum Sündenbock für Probleme gemacht, für die die Volksrepublik nichts könne, sagte Huo Jianguo, Direktor der beim chinesischen Handelsministerium angesiedelten Akademie für internationalen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit, in einem am Samstag veröffentlichten Interview der staatlichen Zeitung "China Daily". Die Vorwürfe und diskutierten Sanktionen entbehrten jeder Grundlage. "China muss sich mit allem Nachdruck dagegen wehren."

China wird im IWF so stark wie Japan

Nach Einschätzung der Volkswirtin Zhang Monan vom Staatlichen Informationszentrum der Regierung profitieren die USA stärker als China davon, dass die Volksrepublik die meisten amerikanischen Staatsanleihen gekauft hat und damit die Schulden der größten Volkswirtschaft mitfinanziert. "Dass wir der größte Gläubiger sind, hat ironischerweise nichts daran geändert, dass die USA ein Mammutstaat sind.

Im Gegenteil, die riesige Schuldenlast dient dazu, einen effektiven Mechanismus aufrechtzuerhalten und die jahrzehntelange Finanzhegemonie des Landes über die Welt zu erweitern", schrieb sie in einem Kommentar der "China Daily". Die USA haben in der vergangenen Woche ihren Ton im Währungskonflikt verschärft. Sie werfen der Regierung in Peking vor, den Yuan künstlich billig zu alten und damit die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen gegenüber Produzenten aus China zu schwächen.

China soll indes einem japanischen Zeitungsbericht zufolge im Internationalen Währungsfonds (IWF) genauso viel Einfluss wie Japan erhalten. Die Aufstockung der chinesischen Quote auf dann 6 Prozent sei bei der Reform des Fonds im Herbst geplant, berichtete das Wirtschaftsblatt "Nikkei" am Samstag ohne Nennung von Quellen. Auch die Stimmrechte für andere Schwellenländer wie Indien, Südkorea, Indonesien und Brasilien würden erhöht. Einzelheiten nannte das Blatt nicht.

cr/reuters
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