Mittwoch, 18. September 2019

Asiens Aufholjagd Das Geld fließt nach China

Geldvermögen: Asiens rasante Aufholjagd
REUTERS

Chinas Wirtschaft wächst zweistellig, während Japan stagniert und die USA den Double Dip fürchten. Die Aufholjagd der Schwellenländer sorgt dafür, dass sich das Geldvermögen in China binnen Jahresfrist verdreifacht hat. Für die bangen, reichen Industrieländer ist das eine gute Nachricht.

Hamburg - Mehr als 10 Prozent Wachstum Jahr um Jahr in China - mit diesen zweistelligen Wachstumsraten kann die Volkswirtschaft kaum noch überraschen. Ein Rückfall auf 9 Prozent Wachstum käme vielen Beobachtern schon wie eine Rezession vor - während die meisten europäischen Industrieländer froh sind, wenn sie mehr als 2 Prozent Wachstum pro Jahr zustande bringen.

Also zur Abwechslung mal eine andere Zahl: Das Geldvermögen in China hat sich seit dem Jahr 2003 beinahe verdreifacht, heißt es im "Global Wealth Report" der Allianz. Während in Japan das Geldvermögen um durchschnittlich 0,7 Prozent pro Jahr wuchs, legte es in aufstrebenden Schwellenländern wie China, Indien, Indonesien oder Malaysia um 13 bis 17 Prozent zu. Pro Jahr.

Selbst im Krisenjahr 2008, als in Folge der Lehman-Pleite vor exakt zwei Jahren die Aktienkurse kollabierten und Depotwerte zusammenschmolzen, legte das Geldvermögen in Ländern wie Indien oder Indonesien zweistellig zu. Im Erholungsjahr 2009, als die Märkte wieder Tritt fassten, legte das Pro-Kopf-Geldvermögen in China um rund 30 Prozent zu.

Rund 2500 Euro Geldvermögen besitzt inzwischen jeder Chinese im statistischen Durchschnitt. Das ist immer noch ein großer Unterschied gegenüber den rund 56.000 Euro Geldvermögen pro Kopf in Deutschland. Doch es fließt Geld in die aufstrebenden Schwellenländer. Und es fließt immer schneller.

"Die ärmeren Länder holen auf", sagt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Zu Beginn des Jahrzehnts war das Geldvermögen in den reichen Ländern noch 135 mal so hoch wie in den armen Ländern. Inzwischen hat sich dieser Wert auf 45 verringert. China hat Deutschland bereits als Exportweltmeister abgehängt und besitzt inzwischen 4,1 Prozent des globalen Geldvermögens - das ist nicht mehr weit entfernt von Deutschland, die mit 5,6 Prozent Anteil Platz 3 hinter den USA und Japan halten.

Japan sieht im Vergleich mit den asiatischen Tigerstaaten seit Jahren schlecht aus. Noch im Jahr 2003 besaß Japan mehr als drei Viertel des regionalen Geldvermögens in Asien: Sechs Jahre später ist dieser Anteil auf 60 Prozent geschrumpft, während sich der Anteil Chinas auf knapp 20 Prozent mehr als verdoppelt hat (siehe Grafikstrecke). Viele Fondsmanager, die auf Wachstum setzen, setzen auf Asien außer Japan.

Die rasante Geldvermehrung in den Nachbarländern sollte für den japanischen Patienten jedoch langfristig ein wichtiges Stärkungsmittel sein. Je höher die Kaufkraft in Ländern wie China, Indien, Korea oder Thailand, desto größer ist die Chance, dort auch mit eigenen Exportprodukten zu reüssieren.

Nicht nur Japan, sondern sämtliche westliche Industrienationen setzen auf eine wachsende Kaufkraft der chinesischen Mittel- und Oberschicht: Für deutsche Autohersteller wie Audi zum Beispiel ist China bereits der wichtigste Markt. Asien stellt 45 Prozent der Weltbevölkerung - und das Geldvermögen der privaten Haushalte in Asien beträgt derzeit rund 25 Prozent des globalen Geldvermögens, Tendenz steigend.

Im Pro-Kopf-Vermögensranking ist die Volksrepublik China noch weit abgeschlagen, das Durchschnittsvermögen pro Kopf ist zum Beispiel in Singapur noch 25 mal höher, in Südkorea 10 mal höher. Doch die Zahl derjenigen, die laut Allianz-Studie zur "Vermögensmittelschicht" zählen, ist in den Schwellenländern deutlich gewachsen: 565 Millionen Menschen zählen weltweit zu dieser wichtigen Kundengruppe, mehr als die Hälfte von ihnen stammt nicht aus den Industrieländern. Auch die Zahl der Millionäre in China ist seit 2007 in die Höhe geschnellt - wo Geld schnell fließt, werden einige Menschen sehr schnell reich.

Für Japan sollte es eine gute Nachricht sein, wenn mehr als die Hälfte des regionalen Geldvermögens in Asien bald nicht mehr im eigenen Land zu finden ist. Auch die USA, Deutschland oder Frankreich sollten darauf hoffen, dass sich die Unterschiede im globalen Geldvermögen schneller schließen.

Geldvermögen: Wie sich die Gewichte zugunsten Chinas verschieben

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