Dienstag, 25. Juni 2019

Altersstudie Arbeitnehmer gehen später in Rente

Deutsche Rentner: Immer später in den Ruhestand

Die Deutschen beginnen ihren Ruhestand nicht mehr so früh wie bisher. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter liegt einer Regierungsstudie zufolge inzwischen bei 63 Jahren - 2002 war es noch ein Jahr weniger. Gleichzeitig steigt die Angst vor dem sozialen Abstieg im Alter.

München - Die Menschen in Deutschland gehen immer später in Rente. Nach einer Studie im Auftrag der Regierung sei das Renteneinstiegsalter seit dem Jahr 2002 um zwölf Monate gestiegen, berichtete die "Süddeutschen Zeitung". Inzwischen beginne der Ruhestand im Durchschnitt mit 63 Jahren. Der Anteil der Menschen, die auch nach ihrem 60. Geburtstag einer Arbeit nachgingen, sei auf 33 Prozent gestiegen.

Trotz dieser Veränderungen müsse es mit Blick auf die Rente mit 67 künftig noch mehr Arbeitsmöglichkeiten für Über-60-Jährige geben, berichtet die Zeitung aus der Studie "Deutscher Alterssurvey", die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellt wurde. Nur so sei das Ziel, das Renteneintrittsalter weiter zu erhöhen, tatsächlich zu erreichen.

Seit 1996 werden für die Studie die Lebensumstände von Menschen im Alter zwischen 40 und 85 Jahren in Deutschland untersucht. Ihr zufolge arbeiten die Bürger nicht nur länger, immer mehr Menschen nutzen inzwischen auch die Altersteilzeit als Brücke in den Ruhestand. Im Jahr 2008 bemühte sich dem Bericht zufolge bereits jeder Zehnte im Alter zwischen 55 und 59 Jahren und jeder Vierte zwischen 60 und 64 darum, von einer Vollzeitstelle in die Altersteilzeit zu wechseln.

Deutliche Unterschiede bei der Berufsdauer gibt es weiterhin zwischen Männern und Frauen, wie die Zeitung berichtete. Bei den Männern arbeiteten knapp vierzig Prozent über den 60. Geburtstag hinaus in einer festen Stelle, bei den Frauen sind es 32 Prozent in West- und 25 Prozent in Ostdeutschland.

Jeder Dritte fürchtet den sozialen Abstieg

In der Untersuchung zeigte sich der Zeitung zufolge auch, dass fast ein Drittel aller Bürger im Alter zwischen 40 und 85 Jahren ein großes Bedürfnis haben, sich sozial zu engagieren - ohne dass sie bisher wissen, wie. Darum will sich Familienministerin Kristina Schröder (CDU) in Zukunft stärker kümmern. Schröder sagte der Zeitung, die Studie bestätige, dass immer mehr Menschen sich gerne "Zeit für Verantwortung nehmen" wollten. "Das ist ein Schatz, den wir heben wollen." So könnten die sogenannten jungen Alten eine wichtige Rolle bei der Betreuung alter und kranker Menschen spielen.

Die sozialen Unterschiede im Alter würden zudem immer größer, zitierte die Zeitung aus der Studie. Die Schere zwischen den Gutverdienenden, die sich gut versorgt fühlen, und denen, die sich echte Sorgen machen, gehe immer weiter auseinander. Rund 60 Prozent aller älteren Menschen hätten ihre finanzielle Lage als gut oder sehr gut bezeichnet. Zugleich nehme die Zahl derer zu, die gravierende Einschnitte befürchteten. Inzwischen habe fast jeder Dritte Angst vor einem deutlich sinkenden Lebensstandard.

In Deutschland und anderen Ländern streiten Politiker und Bürger über die Rente mit 67. Die Gewerkschaften lehnen die Rente mit 67 als verkappte Rentenkürzung ab. Die SPD hat eine Kursänderung bei der Rente mit 67 beschlossen. Der von ihr vor drei Jahren in der Großen Koalition festgelegte Einstieg in das höhere Rentenalter ab 2012 soll bis mindestens 2015 verschoben werden. Mindestens die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen soll sozialabgabenpflichtig beschäftigt sein, bevor die Rente mit 67 kommt. Die Bundesregierung lehnt dies ab.

In Frankreich waren am Dienstag nach Gewerkschaftsangaben über zwei Millionen Menschen aus Protest gegen die geplante Rentenreform auf die Straße gegangen. Auch im Nachbarland soll das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre erhöht werden.

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