Freitag, 20. September 2019

Fachkräftemangel Deutsche Unis als Talentschleudern

Deutsche Hochschulen: Talentfabrik für das Ausland
ddp

In Deutschland ausgebildete Ausländer könnten den Fachkräftemangel der deutschen Industrie leicht beheben. Doch das Potenzial wird systematisch verschenkt. Selbst chancenreiche Akademiker müssen gehen, bevor sie in der Wirtschaft Fuß fassen.

Hamburg - Fünf Nobelpreisträger hat die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) hervorgebracht, doch das ist schon lange her. Aktuell gereicht der Aachener Exzellenzuni immerhin der achtreichste Mann der Welt zur Ehre: Eike Batista (52), Herrscher eines Reichs aus Bergbau- und Energiefirmen in Brasilien, und laut der aktuellen "Forbes"-Liste mit 27 Milliarden Dollar Vermögen auf dem Weg an die Weltspitze.

Allerdings schmiss der Deutschbrasilianer 1980 nach drei Jahren das "fürchterlich langweilige" Ingenieurstudium im Rheinland, um Gold aus Amazonien zu holen und darauf sein Imperium aufzubauen. Ob der Abenteurer, Playboy und Selfmade-Milliardär sich in Deutschland derart hätte entfalten können, muss bezweifelt werden. Dennoch dürfte ein Teil seines Know-hows für den wirtschaftlichen Erfolg auf deutschen Input zurückgehen.

Seit Batistas frustrierender Zeit in Aachen haben deutsche Universitäten immer mehr internationale Fachkräfte ausgebildet. Laut Zahlen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes waren hierzulande im vergangenen Jahr 240.000 ausländische Studenten eingeschrieben und 18.000 Doktoranden - doppelt so viele wie noch im Jahr 2000. Die meisten kommen seit Jahren aus China, gefolgt von osteuropäischen Ländern.

Die deutsche Wirtschaft hat wenig vom Bildungsinvestment

Nur die USA und Großbritannien sind beliebtere Zielländer ausländischer Studenten, wohl auch dank der vergleichsweise geringen Studiengebühren in Deutschland. Viele bleiben nur kurz, aber immerhin jeder 15. Absolvent ist laut dem aktuellen Bildungsbericht der Bundesregierung "Bildungsausländer". Doch die hiesige Wirtschaft, die im Aufschwung um hoch qualifizierte Talente ringt, hat wenig davon. Viele Absolventen ziehen nach dem Examen zurück in die Heimat oder anderswohin - oft, weil sie müssen.

"Das Ausländerrecht entmutigt sie, hier zu arbeiten", sagt Christian Kerst vom Hochschul-Informations-System in Hannover, das mit Daten der Unis und Fachhochschulen die deutsche Bildungslandschaft erforscht. "Die Ausbildung ist eine deutsche Investition, aber der Return ist schwer zu ermitteln." Gerade in den Fächern, in denen Mangel an Arbeitskräften herrscht, müsse über Anreize nachgedacht werden.

"Deutschland verschenkt ein hohes Potenzial", beklagt auch der Bundesverband ausländischer Studierender. Das Land tue wenig, um die hier ausgebildeten, hoch motivierten und oft gut in Deutschland eingelebten Experten zu halten. Die hohen rechtlichen Hürden würden nur langsam abgebaut.

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