Dienstag, 17. September 2019

Amerikas Milliardenspender Kein Vorbild für Deutschland

Giving Pledge: Was die reichen Spender bewegt
REUTERS

Wenn reiche Unternehmer reichlich spenden, ist das eine gute Sache - auch für die Wohltäter selbst. Doch die Spendenaktion von Bill Gates und Warren Buffett geht an den wirklich relevanten Fragen vorbei.

Er habe "mehr Spaß" daran, Geld für gemeinnützige Zwecke wegzugeben, als überhaupt "Geld zu machen", bekennt Peter Peterson, Gründer der Private-Equity-Firma Blackstone und ehedem Chef von Lehman Brothers. "Weder unser Glück noch unser Wohlbefinden könnte gesteigert werden", wenn er und seine Familie mehr als ein Prozent ihres Multimilliardenvermögens für sich behielte, lässt Investorenlegende Warren Buffett die Öffentlichkeit wissen.

Und Bill und Melinda Gates schwärmen von der "wundervollen Erfahrung", die ihnen das Weggeben großer Teile ihres Vermögens gebracht habe, und die sie nun "mit anderen teilen" möchten.

Spaß, Glück, Wohlbefinden - die Bekenntnisse der Superreichen, die im Rahmen der Buffett-Gates-Initiative " The Giving Pledge" veröffentlicht wurden, zeigen in bemerkenswerter Offenheit, dass es beim Spenden auch um ganz eigennützige Motive geht: Man fühlt sich gut.

Ja, man fühlt sich sogar besser, als man sich in seiner Funktion als Unternehmer, Manager, Investor oder Konsument fühlt. Anders als manche rein ökonomische Aktivität, vermittelt Philanthropie Sinn, gesellschaftliche Wertschätzung und ein gesteigertes Selbstwertgefühl. Philanthropie trägt hedonistische Züge. Das ist vollkommen in Ordnung. Privates Wohltätertum ist willkommen, natürlich.

Was allerdings stutzig macht, ist die frenetische Zustimmung, die die Buffett-Gates-Initiative in der Öffentlichkeit ausgelöst hat. Auch deutsche Politiker fordern nun von hiesigen Wohlhabenden, es den Amerikanern gleichzutun. Mal abgesehen davon, dass auch reiche Deutsche eine Menge Geld stiften, stellt sich die Frage: Ist dies nicht die Aufforderung zu einem postmodernen Ablasshandel in großem Stil? Ist nicht schon Unternehmertum gut für eine Gesellschaft - und wenn es das nicht ist, sollte man nicht lieber über dieses Thema reden?

Um es klar zu sagen: Die Rolle der Wirtschaftseliten darf sich nicht darauf beschränken, großzügige Spenden zu verteilen und sich ansonsten nicht um die Folgen ihres Geschäftsgebahrens zu kümmern. Eliten müssen ihre besondere Stellung dadurch rechtfertigen, dass sie die Gesellschaft voranbringen. Denn eigentlich darf es Eliten ja gar nicht geben: Wer es mit der Freiheit und der Gleichheit der Bürger ernst meint, dem fällt es nicht leicht, zu begründen, warum eine Minderheit etwas gleicher sein sollte als der Rest - warum eine kleine Gruppe über mehr Geld, mehr Macht, mehr Prestige, mehr Einfluss verfügen sollte.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung