Konjunktur "Für eine Entwarnung zu früh"

Mancher ruft schon das Ende der Wirtschaftskrise aus - doch solche Euphorie sieht BA-Chef Frank-Jürgen Weise mit Sorge. Denn noch immer sind 600.000 Menschen in Kurzarbeit und immer mehr Vollzeitstellen werden in kleinere Jobs aufgeteilt. Auch der Bankenverband warnt vor verfrühtem Optimismus.
Stellensituation: Von vielen neuen Jobs kann man nicht leben

Stellensituation: Von vielen neuen Jobs kann man nicht leben

Foto: Hendrik Schmidt/ picture-alliance/ ZB

Berlin - Trotz der wirtschaftlichen Erholung in Deutschland gibt es nach Ansicht des Chefs der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, noch "keinen Grund zu Entwarnung". Er beobachte mit einer gewissen Sorge, "dass die Wirtschaftskrise für beendet erklärt wird", sagte Weise der "Rheinpfalz am Sonntag". Zwar sei die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt besser als erwartet, aber es gebe noch "erhebliche Unsicherheiten". Bestimme Branchen und Regionen würden noch lange brauchen, um sich von dem Rückschlag zu erholen.

Der BA-Chef hob zudem hervor, dass es in Deutschland mehr Zeitarbeit und mehr befristete Beschäftigung gebe. Es würden auch immer mehr Vollzeit- in Teilzeitstellen umgewandelt. Schließlich dürfe nicht vergessen werden, dass noch mehr als 600.000 Menschen in Kurzarbeit seien.

Auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Manfred Weber, mahnte, es dürfe "nicht zu früh Entwarnung" gegeben werden. Die wirtschaftliche Entwicklung habe zwar überrascht, letztlich aber hänge "der Aufschwung noch am Tropf" des Staates und der Europäischen Zentralbank, sagte Weber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag. Die Märkte würden sich erst dann wieder beruhigen, wenn die Politik die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte überzeugend angehe.

Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, erwartet dagegen, dass die deutsche Industrie bereits im kommenden Jahr wieder Vorkrisenniveau erreicht. "Im Branchendurchschnitt müssten wir Mitte 2011 wieder eine Normalauslastung erreichen", sagte Kannegiesser der "Berliner Zeitung" vom Samstag. Seit diesem Frühjahr gebe es in der Metall- und Elektroindustrie kaum noch Stellenabbau. Er rechne damit, dass bis Jahresende das jetzige Beschäftigungsniveau gehalten werden könne. Im kommenden Jahr dürfte die Beschäftigung nach seiner Einschätzung sogar wieder steigen. Voraussetzung für die wirtschaftliche Erholung sei aber, dass die Finanzmärkte stabil blieben, sagte Kannegiesser.

mak/afp