Donnerstag, 18. Juli 2019

Überraschendes Tempo Industrie prescht vor wie zuletzt 1984

Bessere Geschäfte: Deutsche Industrie steigert Produktion deutlich

In Deutschlands Werkshallen schnellt der Produktionstakt in die Höhe. Die hiesige Industrie hat ihre Fertigung im Mai so rasant gesteigert, wie kaum ein Experte erwartet hat. Jetzt deutet alles auf ein wirtschaftlich außergewöhnlich gutes zweites Quartal hin - gemessen an dem vorherigen Krisenniveau.

Berlin - Angesichts besser gefüllter Auftragsbücher haben die deutschen Firmen ihre Produktion im Mai kräftig hochgefahren. Der Ausstoß von Industrie, Bau- und Energiewirtschaft zog im Vergleich zum Vormonat um 2,6 Prozent an, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte. Damit wurde die Produktion noch weit stärker als im April gesteigert, als bereits ein Plus von 1,2 Prozent erreicht wurde.

Experten wurden von dem kräftigen Anstieg auf dem falschen Fuß erwischt, da sie für Mai nur ein Plus von lediglich 0,9 Prozent veranschlagt hatten. "Das Mai-Ergebnis ist hervorragend. Das unterstreicht, dass das zweite Quartal sehr gut ausfallen wird. Wir rechnen mit einem Wachstum von mindestens einem Prozent, es kann auch mehr sein", kommentierte SEB-Analyst Klaus Schrüfer den Aufschwung in Deutschlands Werkshallen.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die deutschen Exporte sind im Mai so stark gestiegen waren wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahr kletterten die Ausfuhren um rund 29 Prozent. Litt Deutschland im vergangenen Jahr noch besonders stark unter dem Einbruch der Weltwirtschaft, so profitiert die Republik jetzt überproportional von deren Erholung.

"Nach dem zweiten Quartal wird der Aufschwung weitergehen, aber nicht in diesem Tempo", glaubt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. "Mit einem Rückfall in eine Rezession ist aber nicht zu rechnen, wenn sich die Schuldenkrise nicht noch einmal dramatisch verschärft", glaubt Solveen.

Für weiterhin deutlich besser ausgelastete Fertigungsstraßen der deutschen Unternehmen als im Vorjahr gibt es jetzt allerdings weitere Hinweise: Trotz drastischer Preiserhöhungen für Rohstoffe ist die deutsche Stahlproduktion im vergangenen Monat deutlich angestiegen. Mit 3,86 Millionen Tonnen erhöhte sich die Rohstahlproduktion im Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 53,4 Prozent.

Für das Gesamtjahr 2010 rechnet die Stahlindustrie mit einem deutlichen Anstieg der Produktion um 30 Prozent auf insgesamt 43 Millionen Tonnen. "Insgesamt dürfte die deutsche Industrie im zweiten Quartal so stark wie seit 1984 nicht mehr gewachsen sein", prognostiziert die Unicredit

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung