Sonntag, 25. August 2019

Das internationale Währungschaos Die Welt braucht eine neue Geldordnung

Unter Druck: Europas Zentralbank pumpt weiterhin hohe Mittel in die Märkte

Der Euro ist in der Krise, Dollar und Pfund sind angezählt. Die Welt braucht ein neues Währungssystem, um auf einen soliden Entwicklungspfad zurückzufinden. Anlässlich des G20-Gipfels startet manager magazin eine Serie zu den Problemen der globalen Geldordnung - und ihrer Zukunft.

Hat die Welt etwas gelernt aus dem Desaster? Sind sich Regierungen und Notenbanker, Banker und Unternehmer einig über Ursachen, Ziele und Mittel, um eine Wiederholung zu verhindern? Knapp drei Jahre, nachdem die große Finanz- und Wirtschaftskrise mit dem Zusammenbruch des Marktes für Subprime-Hypotheken in den USA ihren Ausgangspunkt nahm, ist die Antwort klar und einfach: nein. Jedenfalls nicht genug.

Weder ist eine umfassende globale Regulierung des Finanzsektors in Sicht. Noch ist ein substanzieller Abbau der finanziellen Ungleichgewichte in Gang gekommen. Noch ist ein Ausstieg aus der Politik des sehr leichten Geldes in Sicht. Noch ist die Bubble-Ökonomie der vergangenen anderthalb Jahrzehnte beendet worden. Noch gibt es eine Neuorientierung der globalen Währungspolitik.

Alles wie gehabt.

Die Welt macht weiter wie bisher. Deshalb ist diese Krise längst nicht zuende. Im Gegenteil: In der bisherigen Krisenbekämpfung steckt bereits der Kern für die nächsten, womöglich noch viel zerstörerischen Verwerfungen.

Eine strikte Regulierung des Finanzsektors haben die G20 - jene 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen, die sich nach dem Crash vom Herbst 2008 zusammenfanden - versprochen. Trotz heftiger Debatten ist bislang nichts geschehen. Bereits vor dem Gipfel von Toronto vertrösteten die Regulierer auf das Folgetreffen in Seoul - Ende des Jahres ( Siehe den Artikel "Die Hoffnung stirbt zuletzt").

Alles wie gehabt.

Die globalen Ungleichgewichte galten einst als wichtige Ursache der Krise. Ohne die großen Leistungsbilanzdefizite der USA, die insbesondere von chinesischen und arabischen Überschüssen finanziert wurden, hätte es die amerikanische Blase, verbunden mit der Überschuldung vieler privater Haushalte, nie in dieser Größenordnung gegeben. (Ähnliches gilt für Spanien und Griechenland auf der einen Seite und Deutschland auf der anderen - aber das sind Binnenprobleme des Euro-Landes.)

eider sind die Ungleichgewichte nicht von allein verschwunden. In der Spitze des Booms der vergangenen Jahre addierten sich die Defizite und die Überschüsse in den Leistungsbilanzen auf rund 8 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. In der Krise sind sie auf vergleichsweise hohen Niveaus verharrt und steigen nun wieder deutlich. Auf der Überschussseite stehen Deutschland, China, Japan und die Ölexporteure, auf der Defizitseite die USA, Großbritannien, Spanien und große Teile Osteuropas, wie Berechnungen des Internationalen Währungsfonds zeigen.

Alles wie gehabt.

Unterdessen geht die Politik des sehr leichten Geldes weiter. Schon im vergangenen Jahrzehnt haben die Notenbanken, vor allem die amerikanische, die Zinsen viel zu niedrig gehalten. Die Folge ist ein bedrohlicher globaler Geldüberhang: Die Geldmenge stieg über viele Jahre rund doppelt so schnell wie die Wirtschaft wuchs. Im Zuge der Krise weiteten die Notenbanken ihre Liquiditätszufuhr noch mal aus, um den Zusammenbruch zunächst der Banken, nun ganzer Staaten zu verhindern.

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