Konjunkturprognose Sparpaket bremst die Konjunktur 2011

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft erwartet in diesem Jahr ein stärkeres Wachstum als bisher angenommen. Dafür werde das Sparpaket der Bundesregierung diesen Aufschwung 2011 wieder abwürgen. Die Ökonomen finden die Maßnahme dennoch prinzipiell richtig.
Konsequente Sparpakete: Die Verbraucher halten sich zurück

Konsequente Sparpakete: Die Verbraucher halten sich zurück

Foto: ddp

Berlin - Die deutsche Wirtschaft wächst nach Ansicht des IfW-Instituts dieses Jahr stärker als erwartet, dürfte aber wegen des Sparpakets 2011 deutlich an Fahrt verlieren. Die Konjunktur werde im laufenden Jahr um 2,1 Prozent anziehen und im nächsten um 1,2 Prozent zulegen, teilte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag mit.

Grund für die nachlassende Dynamik seien schwächere Impulse der Weltwirtschaft und die bremsende Finanzpolitik. Auf dem Arbeitsmarkt habe sich die Wende vollzogen. Die Forscher gehen davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen nächstes Jahr von 3,2 auf 2,9 Millionen sinkt. Zuletzt hätten aber die Gefahren für die wirtschaftliche Entwicklung zugenommen. "Die hohe Staatsverschuldung in den Industrieländern allgemein stellt wohl das größte Risiko für Konjunktur und Wachstum dar."

Konsolidierung schädlich, aber unerlässlich

Die renommierten Kieler Forscher, die auch die Bundesregierung zweimal jährlich mit einem Gutachten beraten, hatten bisher für 2010 nur mit 1,2 Prozent und für 2011 noch mit 1,8 Prozent Wachstum gerechnet. Die Wirtschaft habe sich aber schneller aus der Rezession erholt als ursprünglich gedacht. Die staatlichen Konjunkturstützen schieben nach Vorhersage der Experten das Wachstum im laufenden Jahr um 0,8 Prozentpunkte an.

Das Sparpaket der Bundesregierung und andere finanzpolitische Schritte hingegen bremsten das Wachstum im nächsten Jahr um einen halben Punkt, sagte der Kieler Experte Carsten-Patrick Meier zu Reuters. Er bezeichnete die Haushaltskonsolidierung dennoch als unerlässlich. Die Regierung will bis 2014 rund 80 Milliarden Euro einsparen.

Erholung geht an den Verbrauchern vorbei

Wenn auch andere europäische Staaten bei ihren Sparpaketen vor allem auf der Ausgabenseite kürzen, ist laut IfW kein Rückfall in die Rezession zu erwarten. Dennoch mahnte Meier zu Vorsicht: Sollte die Wirtschaft kräftig abgebremst werden, sollten die Länder erst später mit dem Sparen beginnen, sagte er.

An den Verbrauchern geht die Erholung nach IfW-Ansicht weitgehend vorbei. Denn die Forscher rechnen damit, dass die Konsumenten ihre Ausgaben im laufenden Jahr um 0,9 Prozent kürzen. Erst 2011 dürfte der private Verbrauch um 0,8 Prozent zulegen.

Die Weltwirtschaft verliert nach Einschätzung der Kieler ab der zweiten Jahreshälfte an Schwung. Denn in vielen Ländern liefen Konjunkturprogramme aus. Vor allem in Schwellenländern wie China dürfte das Wachstum nachlassen. "Gleichzeitig hat die Vertrauenskrise im Euroraum gezeigt, dass erhebliche Risiken für die Erholung in den Industrieländern bestehen." Die Experten erhöhten zwar ihre Wachstumsprognose für die globale Wirtschaft in diesem Jahr auf 4,4 Prozent. Das sei aber vor allem auf das starke Winterhalbjahr 2009/2010 zurückzuführen. Für das kommende Jahr rechnen sie mit einem Zuwachs von nur noch 3,7 Prozent.

mamk/reuters