Reaktionen auf US-Angriff in Syrien Russland sieht Beziehungen zu USA "signifikant beschädigt"

Der Kreml hat den US-Angriff in Syrien verurteilt. Er sei eine "Aggression gegen einen souveränen Staat". Für Außenminister Sigmar Gabriel ist der Militärschlag dagegen "nachvollziehbar".

Russland sieht in dem amerikanischen Angriff in Syrien einen signifikanten Schaden für die US-Beziehungen. "Präsident Putin hält die amerikanischen Angriffe für eine Aggression gegen einen souveränen Staat, gegen das Völkerrecht, dazu noch mit einem erdachten Vorwand", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. Die syrische Armee habe keine Chemiewaffen mehr, das habe nach der Entwaffnung auch die zuständige UN-Organisation bestätigt.

Donald Trump hatte mit dem von ihm angeordneten Schlag  auf den mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien mit etwa 80 Toten reagiert. Der Republikaner macht den syrischen Staatschefs Baschar al-Assad für den Angriff verantwortlich. Nach bisherigen Angaben des US-Verteidigungsministerium soll es bei einem einmaligen Angriff bleiben (eine Analyse dazu lesen Sie hier ).

Russland ist der wichtigste Verbündete des syrischen Staatschefs Assad. Seit September 2015 fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind.

Weitere Reaktionen im Überblick:

Der Iran verurteilt den US-Angriff in Syrien scharf, berichtet die Nachrichtenagentur Insa unter Berufung auf einen Sprecher des Außenministeriums. Solche Angriffe würden Terroristen in Syrien stärken und die Lage in dem Bürgerkriegsland und der Region schwieriger machen.

Der Gouverneur der Provinz Homs, Talal Barazi, sagte, die Aktion trage zu einer Stärkung von "Terroristen" bei. Die Politik der syrischen Regierung würde sich dadurch nicht ändern.

Die syrische Opposition begrüßt dagegen den Angriff auf die syrische Luftwaffenbasis. Sie hoffe, dass die US-Offensive fortgesetzt werde, um die syrischen Luftangriffe und den "Einsatz von international geächteten Waffen" zu stoppen, sagt ein Sprecher der Syrischen Nationalen Koalition.

Auch die britische Regierung unterstützt die Aktion der USA. Das Vorgehen sei eine angemessene Antwort auf den "barbarischen Chemiewaffenangriff" der syrischen Regierung, sagte ein Sprecher von Premierministerin Theresa May.

Aus Sicht von Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault sei die Reaktion der USA eine Warnung an ein "kriminelles Regime". Die Zukunft Syriens sei nicht mit dem Präsidenten Baschar al-Assad verbunden. Die Amerikaner starteten damit, ihre Position klarzustellen. Frankreich sei vor dem Angriff von den USA über den Angriff in Kenntnis gesetzt worden.

Jean-Marc Ayrault

Jean-Marc Ayrault

Foto: EDUARDO MUNOZ/ REUTERS

Ein Sprecher des polnischen Parlaments erklärte, die USA seien der Garant für den Weltfrieden und es würde Zeiten geben, in denen man reagiere müsse.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, der US-Präsident habe eine "starke und klare Botschaft" ausgesandt, dass der Gebrauch und die Verbreitung von Chemiewaffen nicht toleriert werde, erklärte das Büro Netanjahus. Israel unterstütze die Entscheidung Trumps "voll" und hoffe, dass die Botschaft "nicht nur in Damaskus, sondern auch in Teheran, Pjöngjang und anderswo" gehört werde. Auch Saudi-Arabien stellte sich auf die Seite der USA. Es handele sich um eine "mutige Entscheidung."

Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagt dem Sender Fox TV, die internationale Gemeinschaft müsse an ihrer Haltung gegenüber der "Barbarei" Assads festhalten. Die syrische Regierung müsse auf dem internationalen Parkett bestraft werden, der Friedensprozess müsse beschleunigt werden.

Am Freitagmorgen meldete sich auch Außenminister Sigmar Gabriel am Rande seiner Mali-Reise in Bamako zu Wort: "Es war kaum erträglich mit ansehen zu müssen, dass der Weltsicherheitsrat nicht in der Lage war, klar und eindeutig auf den barbarischen Einsatz chemischer Waffen gegen unschuldige Menschen in Syrien zu reagieren. Dass die Vereinigten Staaten jetzt mit einem Angriff gegen die militärischen Strukturen des Assad-Regimes reagiert haben, von denen dieses grausame Kriegsverbrechen ausging, ist nachvollziehbar".

Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel

Foto: AP

Giftgas sei eine international geächtete Waffe, sagte Gabriel. Darin sei sich die Weltgemeinschaft einig. Und weiter: "So nachvollziehbar nach dem Versagen des Weltsicherheitsrats der Militäreinsatz der USA gegen die militärische Infrastruktur auch war, so entscheidend ist es jetzt, zu gemeinsamen Friedensbemühungen unter dem Dach der UN zu kommen."

Daneben äußerten sich auch zwei Linken-Politiker. Der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Jan van Aken, kritisierte den US-Angriff auf eine Luftwaffenbasis in Syrien scharf. Van Aken sagte am Freitag dem SWR: "Was für ein Irrsinn!" Es bestehe jetzt "die große Gefahr, dass es weiter eskaliert". Er befürchte nun, "dass es sich hochschaukelt zwischen Russland und den USA".

Anstelle des US-Angriffs wäre seiner Meinung nach eine unabhängige Untersuchung des Giftgasangriffs vor Ort richtig gewesen, um die Verantwortlichen für die Attacke zu ermitteln. Danach könne in der Weltgemeinschaft überlegt werden, "was die Reaktion ist, aber nicht einseitig einen Militärschlag, und das auch noch auf einen Stützpunkt, wo die Russen auch stationiert waren".

Van Akens Fraktionskollegin Sevim Dagdelen sagte dem SWR, bisher sei ein Stellvertreterkrieg geführt worden. "Jetzt droht ein Weltkrieg." Von der Bundesregierung verlangte Dagdelen, sie müsse sich für ein Ende der US-Angriffe einsetzen. Und klar machen, "dass deutsches Territorium dafür nicht zur Verfügung steht".

mho/dpa/Reuters/AP/AFP
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