Paris, Brüssel, Ansbach 45 Jahre Terror in Westeuropa

Die gute Nachricht zuerst: Trotz Charlie Hebdo und Bataclan, trotz Würzburg und Ansbach gibt es in Europa aktuell - gemessen an den 70er und 80er Jahren - selbst mit den Anschlägen von Paris, Brüssel und jüngst auch Deutschland vergleichsweise wenig Terrorattacken. Kurzfristig ist die Zahl terroristischer Verbrechen allerdings durchaus angestiegen, wie die Grafik zeigt, die Statista  auf Grundlage von Daten der Global Terrorism Database für manager-magazin.de erstellt hat.

Fast 15.000 Terrorakte haben die Forscher im vergangenen Jahr weltweit gezählt, 321 davon in Westeuropa. Die blutigste dieser 321 ereignete sich im November in Paris, wo Terroristen des Islamischen Staates in Cafés und der Konzerthalle Bataclan 89 Menschen töteten. Mit gut 8400 erfassten Toten hat der IS von allen Terrororganisationen weltweit 2015 die meisten Menschen ermordet - vor Boko Haram (6299) und den Taliban (5215). Auch die blutigsten Einzeltaten (Massenexekutionen im Irak und Syrien mit jeweils fast 300 Toten) werden dem IS zugeschrieben.

"Die Attacken sind extrem unterschiedlich, was Taktik und Ideologie angeht", sagte GTD-Managerin Erin Miller dem Statistikblog fivethirtyeight  im Juni. In den USA etwa hätten Terroristen aus ganz unterschiedlichen Motiven heraus gehandelt: Islamismus, gegen den Staat gerichteten Terrorismus, Rassismus. Als Terrorismus definieren die Forscher "die angedrohte oder tatsächliche Nutzung illegaler Gewalt durch einen nichtstaatlichen Akteur, der ein politisches, ökonomisches, religiöses oder soziales Ziel durch Angst, Zwang oder Einschüchterung erreichen will".

Vor dem Anschlag von Paris gab es in Westeuropa in den vergangenen 20 Jahren nur drei Anschläge vergleichbarer Größenordnung: die Morde des Rechtsterroristen Anders Behring Breivik 2011 in Norwegen (77 Tote), einen Anschlag auf Londons öffentlichen Nahverkehr 2005 (52 Tote) und ein Bombenanschlag auf Züge in Madrid 2004 (196 Toten). Die meisten Menschenleben forderte im Jahr 1988 der Bombenanschlag auf ein Pan-Am-Flugzeug über Lockerbie in Schottland mit 440 Toten.

Dass die Zahl der terroristischen Attacken in Westeuropa zwischen 1970 und den 90er Jahren ungleich höher war als heute, ist auf verschiedene Organisationen zurückzuführen: auf die Irish Republican Army in Nordirland, die baskische Separatistenbewegung Euskadi Ta Askatasuna (ETA), aber auch die deutsche Rote-Armee-Fraktion. "Terrorismus war damals als lokales Phänomen genauso beunruhigend wie die aktuelle Bedrohung durch den Islamischen Staat", fasst Quartz zusammen .

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