Sonntag, 26. Mai 2019

Nepal nach dem Beben Die Zahl der Opfer steigt und steigt

Katastrophe im Himalaya: Nepal kämpft mit den Folgen des Bebens
DPA

Nur langsam können sich die Rettungsteams in Nepal in abgelegenere Regionen des Himalaya vorarbeiten. Im Kathmandu-Tal aber auch in der westlich der Hauptstadt gelegenen Annapurna-Region sind viele Dörfer verschüttet, sie lassen sich nur mit dem Hubschrauber erreichen, berichten Medien. Wie viel Menschen in diesen Regionen nach dem schweren Beben vom Samstag ums Leben gekommen sind, lässt nur schwer einschätzen. Inzwischen haben Rettungskräfte 3218 Tote und 6500 Verletzte gezählt. Diese Zahlen nannte der Leiter der Katastrophenschutzabteilung im nepalesischen Innenministerium, Rameshwor Dangal, in Kathmandu.

Die Rettungsbemühungen in Nepal werden durch starke Nachbeben sowie die Schäden an Straßen, Stromleitungen und dem Telefonnetz behindert. In der Nacht zum Montag machten den Überlebenden zudem starke Regenfälle zu schaffen.Große Gebiete im Himalaya sind wegen Erdrutschen noch immer von der Außenwelt abgeschnitten. "Es ist nicht unüblich, dass ganze Dörfer mit Hunderten Bewohnern von herabstürzenden Felsen begraben werden", sagte Matt Darvas, Sprecher der Hilfsorganisation World Vision. "Diese werden wir wahrscheinlich nur mit Hubschraubern erreichen."

In Kathmandu und haben viele Menschen die Nacht auf Matratzen in notdürftig errichteten Zelten verbracht. Auch die Krankenhäuser behandeln und operieren Patienten in Zelten. Die Lage ist äußerst kritisch: Für die kommenden Tage werden weitere heftige Regenfälle erwartet. Schon jetzt ist sauberes Trinkwasser knapp. Die meisten Geschäfte in der nepalesischen Hauptstadt haben geschlossen.

Am Mount Everest besteht nach Angaben der nepalesischen Bergsteigervereinigung derzeit zu etwa hundert Kletterern kein Kontakt. Man hoffe, dass sie sich in Camps oberhalb des Basislagers aufhielten. Dort waren bei einem Lawinenabgang infolge des Erdbebens mindestens 18 Menschen getötet und mehr als 65 verletzt worden.

Das Erdbeben am Samstag war mit einer Stärker von 7,8 auf der Richterskala laut Geologen das schwerste in Südasien seit mehr als 80 Jahren. Das Epizentrum lag rund 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu in der Region Lamjung.

Kathmandu hat sich um drei Meter verschoben

Roger Bilham, Geologe an der University of Colorado, sagte: "Ein massiver Block der Erdkruste, etwa 120 Kilometer lang und 60 Kilometer breit, hat sich am Samstag innerhalb von 30 Sekunden um drei Meter nach Süden verschoben. Und oben drauf waren Kathmandu und Millionen Menschen."

Auch in Nepals Nachbarländern gab es Tote: In Indien starben 62 Menschen, in China mindestens 20 Menschen, Bangladesch meldete einen Toten. Seit Samstag wurden fast hundert Nachbeben registriert.

Inzwischen ist die internationale Hilfe für das 28-Millionen-Einwohner-Land angelaufen. Indien, China und Pakistan haben ebenso Hilfsmannschaften entsandt wie die USA, Israel und Großbritannien.

Auch deutsche Hilfsorganisationen machen sich bereit. Das Deutsche Rote Kreuz wollte am Montagabend von Berlin ein Flugzeug mit 60 Tonnen Zelten, Decken, Hygienepaketen, einer Trinkwasseraufbereitungsanlage und anderen Hilfsgütern nach Nepal schicken. Ein Vorausteam des Technischen Hilfswerk (THW) soll am Montag in Kathmandu eintreffen.

Die Toten in Kathmandu werden nach hinduistischem Brauch auf offener Straße verbrannt. Laut Augenzeugen fanden allen rund um dem Pashuputi Nath Tempel am Sonntag hunderte Verbrennungen statt.

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