Donnerstag, 22. August 2019

Deutsche Sportlotterie Cleverer Schachzug

Win Win: Von den drei Euro, die ein Sportlotterie-Los kostet, würden 24 Cent an den Verein gehen. Egal ob das Los gewinnt oder nicht.
Youtube / Deutsche Sportlot
Win Win: Von den drei Euro, die ein Sportlotterie-Los kostet, würden 24 Cent an den Verein gehen. Egal ob das Los gewinnt oder nicht.

Die Deutsche Sportlotterie gibt Lose zu 3 Euro aus - von denen ein Teil an die Vereine geht, die sich für das neue Förderprogramm registriert haben. Die Vereine hoffen nun auf bessere Zeiten - doch für die meisten von ihnen dürfte sich das Modell kaum auszahlen.

In der Rhenanus-Schule von Bad Sooden- Allendorf im idyllischen Werratal in Hessen fühlte es sich Anfang Dezember an, als sei das Weihnachtsfest 2014 um mehr als zwei Wochen vorverlegt worden. Zunächst wurden Rucksäcke von Adidas mit Aufdrucken der Deutschen Sportlotterie an die Schüler verschenkt.

Dann gab es eine Autogrammstunde inklusive Fotosession mit den Olympiasiegern Robert Harting, Lena Schöneborn und Julius Brink und schließlich gesellte sich noch Henry Maske dazu, um in der gerammelt vollen Aula der Schule den Worten von Gerald Wagener zu lauschen. Der geschäftsführende Gesellschafter der Deutschen Sportlotterie hatte nämlich noch eine interessante Nachricht mitgebracht: Der Schulsportclub Bad Sooden-Allendorf sei der erste Verein Deutschlands, der sich für das neue Vereinsförderprogramm der Deutschen Sportlotterie registriert habe.

Seit Ende Januar, als die Lotterie ihren Spielbetrieb aufnahm, wird somit bei jedem Online-Kauf eines Loses und der Angabe des Codes 000.001 der SSC Bad Sooden- Allendorf unterstützt. Von den drei Euro, die ein Sportlotterie-Los kostet, würden 24 Cent an den Verein gehen. Egal ob das Los gewinnt oder nicht.

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Heft März 2019

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Da mit 32 Prozent zudem noch ein großer Teil der Einnahmen der Sportlotterie an die Sporthilfe fließt, die damit Deutschlands Spitzenathleten unterstützen will, gebe es nur Gewinner, sagte Wagener weiter, "im Breiten- wie auch im Spitzensport".

Sachmittel oder Geld

Für die registrierten Vereine bestünde zudem die Möglichkeit, nach einem Jahr zu wählen, ob das angewachsene Guthaben ausgezahlt oder in Sachmittel wie beispielsweise Sportbekleidung und Trainingsausrüstung umgewandelt werden soll. Mithilfe der Partner der Deutschen Sportlotterie könnten die Vereine auf diesem Wege Sachmittel erhalten mit einem Gegenwert, der doppelt so hoch ausfalle n würde wie die Summe auf dem Guthabenkonto.

Bei 5000 Euro auf dem Guthabenkonto bekäme ein Verein also Sachmittel im Wert von 10.000 Euro. In der Aula der Rhenanus-Schule kamen diese Erläuterungen so gut an, als seien es Worte der Verheißung auf bessere Zeiten. Die Schulleiterin und 1. Vorsitzende des SSC Bad Sooden-Allendorf, Christina Linke, bedankte sich bei Wagener für die "wundervolle Idee" des Vereinsförderprogramms.

Sie rief alle Anwesenden dazu auf, so stark wie möglich für die Sportlotterie zu werben und Online-Lose zu kaufen. Denn finanziell stünde der SSC nicht gerade gut da und der Verein bräuchte "dringend ein neues Auto".

Die Begeisterung der Menschen in Bad Sooden-Allendorf für Wageners Idee ist nachvollziehbar: Endlich kommt mal einer, mit dessen Hilfe notorisch klamme Sportvereine neue Geldquellen erschließen können. So etwas kommt nicht oft vor, erst recht nicht in einem 8000-Seelen-Örtchen, das zu den am höchsten verschuldeten Kommunen Deutschlands zählt.

Jedoch schienen die in der Aula Anwesenden wie Rektorin Linke etwas Wesentliches übersehen zu haben: Das Vereinsförderprogramm der Deutschen Sportlotterie ist zwar ein cleverer Schachzug: Zum einen wird der Verkauf von Losen angekurbelt und zum anderen die Kritik entkräftet, dass die Lotterie dem Breitensport schade, da es Kunden dem Breitensport fördernden Deutschen Toto- und Lottoblocks abspenstig mache. Für die meisten Vereine, die sich bei der Deutschen Sportlotterie registrieren, dürfte das Modell sich dennoch kaum auszahlen.

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