Freitag, 5. Juni 2020

Meinungsmacher Wer den Frauen hilft, hilft der Welt

Vorbilder: Bill und Melinda Gates Ziel ist es, die Armut zu verringern

Frauen sind die besseren Geschäftspartner, und Frauen verwenden ihre Ressourcen besser als Männer: Für Melinda Gates sind das zwei Gründe, warum man in Entwicklungsländern vor allem in Frauen investieren muss. Wohlstand fängt mit den Frauen an: mit Bankdienstleistungen für Frauen - und mit Mobiltelefonen.

Bill und Melinda Gates haben in den vergangenen 14 Jahren mit ihrer Stiftung über 30 Milliarden Dollar gespendet, hauptsächlich für Gesundheits- und Bildungsprojekte in den Entwicklungsländern. Das übergeordnete Ziel der beiden ist, Armut zu verringern. Diese Großzügigkeit ist an sich schon ziemlich unglaublich und weckt den Wunsch im Beobachter, dass doch bitte noch mehr Superreiche ein anderes Lebensziel entwickeln, als immer noch superreicher zu werden.

Abgesehen vom Engagement der Gates beeindrucken auch die Schlussfolgerungen aus ihren Projekten. Lautet ihr Tenor doch: Wer den Frauen hilft, hilft der Welt. In einem Interview mit dem amerikanischen Magazin "Fortune", erklärte Melinda Gates, warum es wichtig ist, besonders in Frauen zu investieren.

"Frauen verwenden ihre Ressourcen auf die Familie - ihre Prioritäten sind Gesundheit, gute Lebensmittel, Bildung, also auf alles, was einen Baustein für nachhaltige Entwicklung darstellt. Wenn wir in Frauen investieren, dann investieren wir daher in Menschen, die in die Menschen um sich herum investieren." Sie glaubt: Wer sich diese Haltung der Frauen zu eigen macht und sie unterstützt, kann Veränderung im großen Stil anstoßen.

Was sie damit meint, formulierte das Ehepaar Gates im jüngsten jährlichen Bericht ihrer Stiftung: In den kommenden 15 Jahren werden rund zwei Milliarden Menschen, die heute noch keine Bankverbindung haben, anfangen können, ihr Geld zu managen und zu sparen. Das Mittel dazu sind Mobiltelefone - wenn auch die Frauen Zugang zu der digitalen Technik und damit zu einem Bankkonto bekommen.

Frauen sind die besseren Geschäftspartner

Was sich mit Mikrokrediten in der dritten Welt erreichen lässt, hat der aus Bangladesch stammende Nobelpreisträger Mohammad Yunus mit seiner Grameen Bank bewiesen. Der Wirtschaftsprofessor hatte erkannt, dass arme Menschen für ihren wirtschaftlichen Erfolg oft nur wenig Kapital brauchen, um Materialien oder Rohstoffe für ihren Kleinbetrieb zu erwerben - einen Gaskocher zum Beispiel, um eine Straßenküche zu betreiben oder eine Schiebekarre, um Waren auf den Markt der nächsten größeren Stadt zu transportieren.

Da die meisten Armen aber keine Sicherheiten haben und von den Banken regelmäßig abgelehnt werden, mussten sie mit Geldverleihern vorlieb nehmen und deren Wucherzinsen begleichen. Im Ergebnis konnte sich kaum je einer aus der Schuldabhängigkeit befreien.

Die Minikredite der Grameen Bank änderten das. Im Zeitverlauf zeigte sich aber auch, dass Frauen die besseren Geschäftspartner sind, denn sie investierten ihren Mikrokredit beispielsweise in eine Nähmaschine, um eine Schneiderei zu eröffnen, während viele Männer sich lieber persönliche Konsumgüter leisteten, um bei ihren Kumpels gut dazustehen.

Am Ende waren die Schneiderinnen, Köchinnen und Gemüsehändlerinnen in der Lage, ihren Kredit zurückzubezahlen, während sich die Männer häufig in die Büsche verdrückten. Inzwischen ist die überwiegende Mehrheit der Mikrokreditnehmer auf der ganzen Welt weiblich.

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