Trotz Ukraine-Krieg Arbeitslosigkeit geht im April weiter zurück

Die übliche Frühjahrsbelebung sowie Lockerungen der Corona-Beschränkungen geben dem Arbeitsmarkt Aufschwung. Die Bundesagentur für Arbeit erwartet, dass der Erholungskurs anhält, vorausgesetzt, dass der Ukraine-Krieg nicht weiter eskaliert und ein Gaslieferstopp ausbleibt.
Die Bundesagentur für Arbeit meldet Erholung: Die Arbeitslosenquote ging im April um 0,1 Punkte zurück auf 5,0 Prozent.

Die Bundesagentur für Arbeit meldet Erholung: Die Arbeitslosenquote ging im April um 0,1 Punkte zurück auf 5,0 Prozent.

Foto: Fabian Steffens / CHROMORANGE / IMAGO

Der Aufwärtstrend auf dem deutschen Arbeitsmarkt hält trotz der wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges an: Dank einer weiteren Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland weiter gesunken. Im April waren 2,309 Millionen Menschen ohne Job. Das sind 53.000 weniger als im März und 462.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte. Die Quote sank um 0,1 Punkte auf 5,0 Prozent. Im Vergleich zum April 2021 sank sie sogar um einen kompletten Prozentpunkt.

"Mit der Frühjahrsbelebung und den Lockerungen der Corona-Maßnahmen setzt sich die Erholung am Arbeitsmarkt fort", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele (65), am Dienstag in Nürnberg. "Allerdings wird die Entwicklung durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine gebremst", betonte er. Für ihre April-Statistik konnte die Bundesagentur auf Datenmaterial zurückgreifen, das bis zum 12. April vorlag.

Arbeitslosigkeit noch ein Prozent höher als Vorkrisenniveau

Unter Herausrechnung jahreszeitlicher Schwankungen verringerte sich die Erwerbslosenzahl im April laut BA um 13.000. Von Reuters befragte Experten hatten mit einem Rückgang um 15.000 gerechnet. Im Vergleich zum Niveau vor der Corona-Pandemie liegt die Arbeitslosigkeit in saisonbereinigter Rechnung noch um 16.000 oder ein Prozent über dem Vorkrisenmonat vom März 2020.

Scheele sieht den Arbeitsmarkt auch weiter auf Erholungskurs. Voraussetzung sei, dass der Ukraine-Krieg nicht weiter eskaliere und die heimische Wirtschaft nicht "noch umfassender" durch Preissteigerungen, Lieferschwierigkeiten oder womöglich einen Gaslieferstopp beeinträchtigt werde. Da die chemische Industrie von einem Gasembargo massiv betroffen wäre, würden Grundstoffe für eine Vielzahl anderer Branchen fehlen, was eine Kettenreaktion auslösen könne. Deren Folgen am Arbeitsmarkt seien mit Kurzarbeit alleine nicht aufzufangen: "Bei der Frage des Gasembargos würde ich sagen: Ich würde es lieber nicht ausprobieren wollen. Denn wenn es dann da ist, kann man es nicht mehr zurückholen", warnte Scheele.

Die Unsicherheit mit Blick auf den Krieg und eine möglichen Verschärfung westlicher Sanktionen gegen Russland lastet bereits auf der Konsumstimmung und dem Geschäftsklima. Am Bau ist es sogar auf den niedrigsten Stand seit Mai 2010 abgestürzt.

Am Jobmarkt zeichnet sich indes keine Eintrübung ab: Die Arbeitsagenturen gehen davon aus, dass sich der Erholungskurs sowohl mit Blick auf die Arbeitslosigkeit als auch hinsichtlich der Beschäftigung fortsetzt. "Aufgrund der Corona-Krise und des Kriegs in der Ukraine ist der Ausblick auf die nächsten Monate aber mit deutlich größerer Unsicherheit verbunden als in der Vergangenheit", räumte die BA ein.

Kurzarbeit zuletzt rückläufig

Das in der Corona-Pandemie in der Vergangenheit häufig genutzte Krisen-Instrument der Kurzarbeit ist nicht mehr so gebräuchlich. Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurde vom 1. bis einschließlich 27. April für 120.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme des Instruments stehen der BA bis Februar zur Verfügung. Nach vorläufigen hochgerechneten Daten wurde Kurzarbeitergeld in jenem Monat für 723.000 Arbeitnehmer gezahlt. "Damit war sowohl die Inanspruchnahme von konjunktureller Kurzarbeit als auch die Zahl der Personen, für die Kurzarbeit angezeigt wurde, zuletzt rückläufig", heißt es in dem BA-Monatsbericht.

Laut Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD, 49) belasten Lieferengpässe, Preissteigerungen und der russische Krieg gegen die Ukraine die wirtschaftliche Entwicklung. Die Kurzarbeit werde nun auch eingesetzt, um die Kriegsfolgen und die unterbrochenen Lieferketten "ein Stück weit" aufzufangen.

Laut KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib wird die Entwicklung von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit auch davon abhängen, wie sich das Corona-Infektionsgeschehen entwickelt. Ein weiterer Faktor sei, wie viele Flüchtlinge in diesem Jahr aus der Ukraine nach Deutschland kämen und bei den Jobcentern registriert würden. Derzeit steht der Arbeitsmarkt Scheele zufolge mit Blick auf die Einwanderung aus der Ukraine vor keinen unlösbaren Problemen: Es gehe letztlich nur um bis zu 270.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter: "Das sind keine Zahlen, die der deutsche Arbeitsmarkt nicht verkraften kann. Kein Flüchtling, der jetzt gekommen ist, nimmt irgendjemandem einen Arbeitsplatz weg".

Arbeitslosigkeit in Euro-Zone ebenfalls gesunken

Auch in der Euro-Zone sinkt mit dem Frühjahrsaufschwung die Zahl der Arbeitslosen. Im März wurden 11,274 Millionen Erwerbslose gezählt, wie die Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. Das sind 76.000 weniger als im Februar und 1,931 Millionen weniger als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote ging auf 6,8 Prozent zurück.

Das Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone legte zwischen Januar und März um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt der Währungsunion in diesem Jahr allerdings nur noch ein Wachstum von 2,8 Prozent voraus, nachdem er ursprünglich mit einem Plus von 3,9 Prozent gerechnet hatte. Die europäische Wirtschaft wird durch weiter anhaltende Lieferkettenprobleme im Zuge der Corona-Krise beeinträchtigt – insbesondere durch Lockdown-Maßnahmen in China, wo wegen der Ausbreitung der besonders ansteckenden Omikron-Variante etwa die Finanzmetropole Shanghai abgeriegelt wurde. Zudem belasten die im Zuge des Ukraine-Kriegs weiter gestiegenen Energiepreise.

dri/afx/dpa/reuters